Dramatische Eskalation des Handelskonflikts USA/Kanada

US-Präsident Donald Trump forderte am Montag,24. August 2026, die kanadische Führung auf, „auf Linie zu kommen“, oder andernfalls mit Konsequenzen zu rechnen, die „weit schlimmer“ seien als die bestehenden Zölle. Gleichzeitig kündigte Trump an, die Zölle auf kanadische Fahrzeuge auf 50 % zu verdoppeln und ab 01. Januar 2027 neue Zölle auf Autoteile und Stahl zu erheben. Damit verschärft er den eskalierenden Handelskonflikt zwischen den beiden mordamerikanischen Volkswirtschaften. Eine Umsetzung dieser Zollpläne könnte die in den letzten Jahrzehnten stark integrierte Lieferkette zwischen den USA und Kanada und insbesondere Geschäftsreisen erheblich beeinträchtigen. Business- und Leiser Travel sind seit Trump Drohungen gegen Kanada merklich zurückgegangen.i

Die jüngste Zollandrohung folgt auf das Scheitern der Verhandlungen am Freitag, 21. August 2026, das bereits zu einer Abgabe von 50 % auf kanadische Waren im Wert von zig Milliarden Dollar – darunter Möbel, Kunststoffe, Sperrholz und elektrische Ausrüstung – geführt hatte. Der kanadische Premierminister Mark Carney kündigte Vergeltungszölle an und betonte am Montag, sein Land werde die Abhängigkeit des Landes von den USA verringern.

Kanafa und die USA sind voll auf Kollisionskurs. Foto The Global and Mail

Die Kanadier wünschten sich von ihrem Premierminister eine harte Haltung gegenüber Donald Trump und wollten nicht, dass er einem für Kanada nachteiligen Handelsabkommen mit den USA zustimmt. Doch diese Verschärfung des Zollstreits wird ihren Preis haben. Trevor Tombe, Wirtschaftsprofessor an der University of Calgary, schätzt, dass 90.000 Arbeitsplätze – etwa 0,4 % der kanadischen Erwerbsbevölkerung – verloren gehen könnten, sollten die neuen Zölle Bestand haben. Auch die Märkte reagieren: Der kanadische Dollar gab am Montag gegenüber dem US-Dollar nach.

Kanada wird am Dienstag, 25. August 2026, Vergeltungszölle gegen die USA ankündigen, nachdem sich die Beziehungen am Montag drastisch verschlechtert hatten. Zudem wirft die kanadische Regierung dem Nachbarn in Washington D.C. vor, Kanada unterordnen zu wollen. Die US-Handelsforderungen zielen nach Ansicht der kanadischen Seite darauf ab, „unsere wichtigsten Industriezweige“ – darunter die Automobil-, Stahl- und Aluminiumbranche – zu zerstören.Es wird erwartet, dass Kanada’s Finanzminister François-Philippe Champagne und drei weitere Kabinettsmitglieder am Dienstagmorgen Einzelheiten zu Unterstützungsmaßnahmen für Arbeitnehmer bekannt geben, die von den Zöllen betroffen sind. Bereits am Montag hatte es geheißen, Kanada könnte davon absehen, US-Zölle eins zu eins zu spiegeln, und stattdessen gezieltere Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, um kanadische Arbeitnehmer und Unternehmen zu schützen. „Eine Haltung am Verhandlungstisch, wonach Kanada eine Tochtergesellschaft der Vereinigten Staaten sei“, sei „nichts, was wir akzeptieren werden“, sagte Kanada’s Premier Carney. Auf Französisch äußerte sich Carney noch deutlicher. Die scharfen Worte von beiden Seiten verdeutlichen, wie sehr sich die Beziehungen zwischen den USA und Kanada verschlechtert haben, seit Carney am späten Freitag die Handelsverhandlungen mit der Trump-Regierung abgebrochen hat. Dies löste am darauffolgenden Tag die vom Donald Trump angedrohten Zölle in Höhe von 50 % auf kanadische Waren im Wert von rund 20 Mrd. Dollar aus.

Kanada und die Vereinigten Staaten unterhalten eine der weltweit bedeutendsten Handelsbeziehungen mit tief ineinandergreifenden Lieferketten in den Bereichen Automobilbau, Energie, Landwirtschaft und verarbeitendes Gewerbe; ein langwieriger Handelskonflikt könnte daher für Unternehmen und Arbeitnehmer auf beiden Seiten der Grenze kostspielig werden. Carney äußerte Zweifel an der Zuverlässigkeit der USA und erklärte, Kanada finde verlässliche Partner „überall auf der Welt, außer in den Vereinigten Staaten und Russland.“

„Kanada beutet die Vereinigten Staaten von Amerika seit Jahren aus“, schrieb Trump in den sozialen Medien und kritisierte die seiner Meinung nach „lächerlich hohen Zölle“ Kanada`s zu Lasten amerikanischer Landwirte. Carney erklärte, die Vorschläge Washingtons für den Automobilsektor würden langfristig zum Abbau der kanadischen Produktion und zur Zerstörung der erfolgreichsten Partnerschaft der Automobilgeschichte führen.

Kanada droht Trump mit Abschalten des Grenzüberschreitenden Stroms. Unterdessen holte auch Doug Ford, der Regierungschef der kanadischen Provinz Ontario, zu einer heftigen Tirade aus. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Associated Press sagte er, Trump habe unterschätzt, dass die Kanadier eher bereit seien, wirtschaftliche Einbußen in Kauf zu nehmen, als dem Druck der USA nachzugeben. „Wir gehen aufs Ganze“, sagte Ford. „Hier oben ist die Stimmung extrem aufgeheizt; alle sind bereit für einen Wirtschaftskrieg. Die Menschen wissen, dass sie Opfer bringen müssen.“

Trump reagierte mit einem Beitrag in den sozialen Medien, in dem er Ford persönlich angriff: Er bezeichnete ihn als „den weniger charismatischen, weniger intelligenten und insgesamt wenig beeindruckenden Bruder des verstorbenen, großartigen Rob Ford“ und nannte den kanadischen Premierminister erneut „Gouverneur Carney“.

Doug Ford tat die Beleidigungen ab: „Du (Donald) glaubst, eine Beleidigung von dir könnte mir wehtun? Nur zu, Kumpel, ich bin bereit.“ Ford gehört den Progressive Conservatives an – seine Partei unterscheidet sich von der des Liberalen Carney –, doch beide betonen die weitgehende politische Einigkeit Kanadas im Handelsstreit mit Trump.

Doug Ford droht mit Lieferstopps bei kritischen Rohstoffen und elektrischem Strom. Er erklärte, „alle Optionen lägen auf dem Tisch“, sollte sich der Streit verschärfen; dazu gehöre auch die Einstellung der Stromlieferungen sowie der Export kritischer Rohstoffe aus Ontario. Kritische Rohstoffe sind für die nationale Sicherheit und die verarbeitende Industrie der USA von zunehmender Bedeutung. Das Pentagon bemüht sich um eine sicherere Versorgung mit Mineralien, die in Militärflugzeugen, Raketen, Munition und Elektronik zum Einsatz kommen, da Washington versucht, die Abhängigkeit von China zu verringern; China dominiert bekanntlich den Abbau und die Verarbeitung zahlreicher strategisch wichtiger Rohstoffe, von denen u,.a. auch Deutschland abhängig ist.

Und Ford warnt die USA, Kanada würde auch schärfere Vergeltungsmaßnahmen in Erwägung ziehen, falls Trump weiterhin kanadische Industriezweige – etwa die Öl- und Kaliproduktion – ins Visier nehme; Ontario könne beispielsweise die Strompreise erhöhen oder die Stromlieferungen in den Süden und über die Grenze einstellen. „Wir versorgen 1,5 Millionen Haushalte und Unternehmen in den benachbarten USA mit Strom“, sagte Ford. „Alle Optionen liegen auf dem Tisch. Ich werde tun, was immer nötig ist.“

Doug Ford hat das Thema Elektrizitätslieferungen bereits früher als Druckmittel eingesetzt. In einer früheren Phase des Streits erhob Ontario einen Aufschlag von 25 % auf Stromexporte nach Michigan, Minnesota und New York. Trump reagierte mit der Drohung, die Zölle auf kanadischen Stahl und Aluminium zu verdoppeln, woraufhin beide Seiten von ihren Positionen abrückten.

Die Automobilindustrie wird zu einem zentralen Schauplatz des Konflikts. Doug Ford warf Trump vor, es gehe ihm nicht bloß um ein besseres Handelsabkommen, sondern darum, die kanadische Industrie auszuhöhlen und die Produktion zu sich in die USA zu verlagern, Trump wolle nichts anderes als Kanada zu einem Vasallenstaat zu machen, indem er jeden einzelnen Industriesektor  ausbluten lassen und in die USA holen will.

Der Automobilsektor ist für Ontario, das Zentrum der kanadischen Fahrzeugproduktion, von besonderer Bedeutung. Die Werke und Zulieferer in Ontario sind eng mit Fabriken in Michigan und anderen US-Bundesstaaten vernetzt; Bauteile überqueren während des Fertigungsprozesses regelmäßig mehrfach die Grenze.

Autobauer wie Ford, General Motors und Stellantis betreiben große Montagewerke in Ontario, und die damit verbundene Lieferkette sichert Zehntausende von Arbeitsplätzen. Trumps neue Drohung mit Zöllen von 50 % auf kanadische Fahrzeuge und Autoteile rückt diesen Sektor direkt in den Mittelpunkt des eskalierenden Streits.

Der US-Handelsbeauftragte Jamieson Greer goss Öl ins Feuer indem er am Montag erklärte, der „einzige Grund, warum es in Kanada überhaupt eine Autoproduktion gibt“, sei das „Auto Pact“-Abkommen aus den 1960er Jahren; dieses hatte es Kanada ermöglicht, den Zugang zum eigenen Markt zu nutzen, um die Fahrzeugproduktion nördlich der Grenze zu fördern.

Ford zufolge hatte Washington in der Endphase der Verhandlungen am vorigen Freitag Formulierungen gefordert, die Kanadas Spielraum für den Abschluss von Handelsabkommen mit anderen Ländern ohne US-Zustimmung eingeschränkt hätten. Carney hatte diese Forderung als inakzeptabel und als Frage der kanadischen Souveränität bezeichnet.

Carney erklärte, der Streit habe auch eine tiefere Kluft in Bezug auf Sprache und Kultur offengelegt: Schutzmaßnahmen für die französische und kanadische Kultur, die Washington als Handelshemmnisse betrachte, gelten in Kanada als Grundrechte. „Für wen hält er sich eigentlich?“, sagte Ford über Trump. „Der ist doch wohl ein Witz.“ und am Montag frotzelte Dog Ford während einer Pressekonferenz: In Anspielung auf Trumps frühere Tätigkeit als Immobilienunternehmer sagte der 62-Jährige: „Ich habe eine Menge ‚Grundbesitz‘ auf meinem Hintern, also viel Platz, damit Trump mir den Arsch küssen kann.“ Quelle: Bloomberg / The Global and Mail / CM

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