Plug-in-Hybride werden zum nächsten großen Konfliktfeld im Autohandel zwischen Europa und China. Denn China setzt Europas Plug-in-Hybrid-Markt gewaltig unter Druck. BYD, Chery & Co. dominieren inzwischen die Bestsellerlisten der Fahrzeuge mit Stecker und haben in diesem Segment eine deutlich stärkere Position als bei reinen Elektroautos. Erst vor Kurzem hatte VW-Konzernchef Oliver Blume die Ausweitung bestehender EU-Ausgleichszölle für E-Autos aus China auf chinesische Plug-in-Hybride gefordert. Nun reagiert auch der VDA, beißt aber bei chinesischen Handelsministerium auf Granit
Zum Schutz der europäischen Autobauer fordert die EU von der Regierung in Peking eine freiwillige Selbstbeschränkung der Exporte von Plug-in-Hybriden auf 15 % des europäischen Marktes, statt wie geplant Sonderzölle zu verhängen. Laut KBA verzehnfachten sich chinesische Importe von PHEV von 3.800 (Oktober 2024) auf 50.000 Fahrzeuge (Juli 2026). Chinesische Marken machten im zweiten Quartal 2026 über ein Drittel bis zu 47,2 % der PHEV-Zulassungen aus.Eine Entscheidung in Sachen Quadratur des Kreises. VDA-Präsidentin Hildegard Müller und

Die chinesischen Fahrzeughersteller nutzen den Vorteil, dass ihre Plug-in-Hybride nur dem pauschalen EU-Zoll von 10 % unterliegen, während reine E-Autos bis zu 45 % Zölle tragen. Anbieter wie BYD und MG drücken mit hohen Rabatten in den Markt und setzen so deutsche Hersteller wie VW, BMW und Mercedes unter Druck. Denn die PHEV aus China sind mindetens genauso gut wie die der deutschen Hersteller, sind aber wesentlich preisgünstiger zu haben.
Die EU droht bei Ausbleiben einer Selbstbeschränkung offener mit harten Handelsmaßnahmen. In den bislang eher chinafreundlichen europäischen Autoverbänden wächst inzwischen die Bereitschaft zu einer härteren Gangart. Bisher galt die mächtige Autolobby als Bremser bei Maßnahmen gegen chinesische Hersteller. Nun nennt VDA-Chefin Müller sie ein legitimes Mittel. Ein internes Papier geht noch deutlich weiter.
Der Verband der Automobilindustrie (VDA) gilt als die mächtigste Stimme, wenn es um Deutschlands größte Branche geht. Mehr als 600 Einzelunternehmen gehören ihm an, darunter Hersteller wie Volkswagen, Mercedes-Benz, BMW, aber auch Zulieferer wie Bosch, ZF und Continental. Im Umgang mit China war der Verband lange ein Verfechter offener Märkte, des Dialogs und der Kooperation. Handelsbarrieren gegenüber zeigte sich der VDA dagegen eher skeptisch. Im August begann sich der Ton zu ändern. Da ließ der Verband vorsichtig wissen, er prüfe „Anpassungen“ seiner Chinaposition. Nun macht VDA-Präsidentin Hildegard Müller deutlich, was die neue Linie ist.
Laut einem internen Positionspapier des VDA fordert der Verband, dass die Europäische Union gezielte Schutzmaßnahmen prüft. Voraussetzung hierfür ist
- 1. Der Nachweis unlauteren Wettbewerbs Es muss belegt werden, dass die günstigen Preise der chinesischen Hybride auf staatlich induzierte, selektive Vorteile (wie unzulässige Subventionen) zurückzuführen sind.
- 2. Enge Einbindung der Industrie: Der VDA fordert, dass mögliche Gegenmaßnahmen eng mit den betroffenen Unternehmen abgestimmt werden, um das Risiko für das eigene China-Geschäft zu minimieren.
Trotz der härteren Linie setzt der VDA weiterhin auf eine Doppelstrategie aus Kooperation und Schutz. Der Verband unterstützt die parallel laufenden Bemühungen der EU-Kommission, mit der Pekinger Regierung über freiwillige Exportbeschränkungen zu verhandeln. Im Gespräch ist unter anderem eine marktseitige Obergrenze für chinesische Plug-in-Hybride von maximal 15 Prozent.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller betont zeitgleich, dass Investitionen chinesischer Hersteller und Zulieferer direkt in Europa und Deutschland begrüßt werden. Wenn chinesische Unternehmen Fabriken vor Ort aufbauen und lokale Produktionsvorgaben erfüllen, entfallen die Zollthemen und es entstehen Arbeitsplätze in Europa.
Natürlich würde man sich auch weiterhin für den freien Handel einsetzen, doch es liege eben auch an China mit „konstruktiven Vorschlägen“ auf Europa zuzugehen. Bislang hatte man immer vor einer Eskalation und einem Konflikt mit China gewarnt, da man Gegenmaßnahmen fürchtete, sobald der freie Handel mit dem Land der Mitte zugunsten deutscher Autobauer eingeschränkt würde. Stattdessen setzte man in der Vergangenheit eher auf Forderungen nach besseren Standortbedingungen in Europa. Quelle: CM