Varta ist pleite

Das Ellwanger Traditionsunternehmen Varta hat im 139. Jahr des Bestehens beim Amtsgericht Stuttgart einen Insolvenzantrag in Eigenverwaltung gestellt. Die bisherigen Eigentümer, Porsche sowie der österreichische Unternehmer Michael Tojner, verweigerten Varta das Nachschießen frischen Geldes. 

Varta ist der Markenname für Akkumulatoren und Batterien. Der Markenname wird auch beim jährlich erscheinenden Varta Hotel- und Restaurantführer verwendet.Die Varta AG produzierte an ihren Produktionsstandorten in Ellwangen, Bördlingen und Dischingen sowie im rumänischen Brasov und Batan (Indonesien. 

Der Hersteller hat eine wechselvolle Gesdchichte hinter sich: Zum Ende des Jahres 2000 wurden 92 % der Aktien gegen knapp 300 Mio. Euro von DB Investor (Tochtergesellschaft der Deutschen Bank) übernommen und an die Gopla GmbHweitergereicht, an der die Deutsche Bank zu 39 % und die beiden früheren Hauptaktionäre aus der Familie Quandt zu 25,1 % beteiligt waren. 2001 wurde der Geschäftsbereich Microbatterien ausgegliedert, die entstandene Varta Microbattery wurde eine Tochtergesellschaft der Varta AG in Hannover.

Im Sommer 2002 wurden die beiden größten Arbeitsbereiche von Varta verkauft. Zuerst wurde die Mehrheitsbeteiligung im Bereich der Gerätebatterien an den Batteriehersteller Rayovac abgegeben. Eine Woche später kaufte der Kooperationspartner Johnson Controls für 312,5 Mio. Euro die 80 % von Varta gehaltenen Anteile an der VB Autobatterie GmbH mit der Robert Bosch GmbH und damit den größten Bereich. Varta blieben 1.700 Beschäftigte und rund 30 Mio. Euro Umsatz im Bereich der Mikrobatterien.

2004 wurde die Beteiligung an Microlite, einem brasilienischen Gerätebatteriehersteller, an Rayovac verkauft. Im Juli 2005 kündigte Spectrum Brands, wie sich Rayovac nun nannte, das Joint Venture mit Varta und übernahm den Geschäftsbereich Handelsbatterien komplett. Somit blieb nur der Bereich Microbatterien bei Varta. Dieser wurde im Februar 2007 für einen vorläufigen Kaufpreis von etwa 30 Mio, Euro an die österreichische VEG Beteiligungsgesellschaft und Buy-Out Beteiligungs-Invest, die beide zur Global Equity Partners Gruppe gehören, und schließlich Ende 2007 an die Montana Tech Components verkauft, die ebenfalls eine Beteiligung der Global Equity Partners Gruppe darstellt.

Mit dem Verkauf aller operativen Geschäftsbereiche verabschiedete sich Varta nach über 100 Jahren ganz aus dem Batteriegeschäft. Varta mit Sitz in Hannover bestand weiter und beschäftigte sich mit der Verwaltung eigenen Vermögens sowie der Verwertung und Abwicklung von Vermögensgegenständen, Verträgen, Verbindlichkeiten und Beteiligungen der Gesellschaft und ihrer Tochtergesellschaften. Unter dem Dach von Varta befanden sich die Varta-Unterstützungskasse sowie die Immobiliengesellschaft Pertrix.

Die Varta AG wurde im August 2011 vom selben Unternehmenskonsortium aufgekauft, das auch Varta Microbattery übernommen hatte. Nach der Übernahme brachte Montana Tech Components ihre bis dahin direkt gehaltenen Tochtergesellschaften Varta Microbattery GmbH und Varta Storage GmbH in die Varta AG ein.

Im Mai 2019 gab die Varta AG bekannt, den Bereich der Handelsbatterien (Haushaltsbatterien) und Ladegeräte wieder zu übernehmen, da Energizer das europäische Geschäft unter der Marke Varta auf Anordnung der EU-Kartellbehörden abgeben musste. Im Kauf sind die weltweiten Namensrechte der Marke VARTA für Handelsbatterien und Ladegeräte enthalten, sowie das operative Geschäft in der Region EMEA. Die ehemaligen Niederlassungen außerhalb der Region bleiben bei Energizer. 

Durch Umstrukturierung der Varta-Beteiligungen in den 2010er Jahren ist die Varta AG heute wieder die Holding-Gesellschaft der gesamten Varta-Gruppe. Von 2016 an war Herbert Schein Vorstandsvorsitzender der Varta AG, bis er im September 2022 nach einer Gewinnwarnung von seinem Posten zurücktrat. Den Posten des Varta-Vorstandssprechers übernahm Markus Hackstein. 

In der Nacht zum 12. Februar 2024 wurde die Varta AG Opfer einer Cyberattacke, die zu einem wochenlangen Produktionsausfall an den Standorten Ellwangen, Nördlingen, Dischingen,Brasov und Batan führte. Die Auswirkungen der Cyberattacke sowie die erfolglosen Restrukturierungsmaßnahmen führten zu einer Verschlechterung der finanziellen Lage, weshalb die Varta AG am 21. Juli 2024 mitteilte, die Einleitung eines Restrukturierungs-Verfahrens gemäß beim Amtsgericht Stuttgart beantragen zu wollen. Es folgte ein Kapitalschnitt, bei dem das Grundkapital der Varta AG auf Null gesetzt wird, so dass auch die bis dahin in Streubesitz befindlichen Varta-Aktien ihren Wert verloren Auf den Kapitalschnitt folgend haben die MT InvestCo sowie eine Beteiligungsgesellschaft der Porsche AG als neuer Investor Mittel für eine Kapitalerhöhung eingebracht. Die bilanzielle Restrukturierung wurde im März 2025 abgeschlossen. 

Am 19. Mai 2026 gab die Varta AG die Schließung der Tochtergesellschaft Varta Micro Production GmbH in Nördlingen bekannt, in der CoinPower-Zellen hergestellt werden. Hintergrund war der Wegfall des wichtigsten Kunden Apple, der seine Lieferketten auf günstigere Anbieter verlagert hat. Am 01. Juli 2026 verhängte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsichteine Geldbuße in Höhe von insgesamt 620.000 Euro gegen die Varta AG. Nach Angaben der Behörde hatte das Unternehmen gegen die Marktmissbrauchsverordnung sowie das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen. Am 22. Juli 2026 beschlossen die Hauptgläuniger von Varta, die Deutsche Bahnk sowie die Investnentfonds Blantyre, BlueBay und Whitebox, den Konzern aufzuteilen und den Geschäftsbereich Haushaltsbatterien auszugliedern. Anlass waren ein zusätzlicher Liquiditätsbedarf, Verstöße gegen Finanzierungsauflagen und das Scheitern weiterer Finanzierungszusagen. Damit endeten auch die Pläne des Unternehmens zum Aufbau einer Produktion von Natrium-Ionen-Akkus. Der Geschäftsbetrieb wird zunächst fortgeführt, während die Zukunft der übrigen Geschäftsbereiche und zahlreicher Beschäftigter am Hauptsitz in Ellwangen und am Standort Dischingen offen bleibt. Quelle: Amtsgericht Stuttgart / wikipedia / CM

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