FlightAware verklagt Plattform Kalshi, die Wetten auf Flugausfälle anbietet 

FlightAware, die weltweit größte Website zur Flugverfolgung, verklagt die aufstrebende Prognosemarkt-Plattform Kalshi. Der Vorwurf: Kalshi nutze Daten und Markenzeichen von FlightAware, um einen neue und umstrittenen Markt zu bewerben, der es Verbrauchern ermöglicht, auf Flugausfälle zu wetten – ein Angebot, das nach Ansicht von FlightAware Fluggäste gefährdet und das „Potenzial für massive Störungen des Flugverkehrs“ birgt.

Kalshi wurde 2018 von Tarek Mansour und Luana Lopes Lara in New York gegründet und ist eine Plattform für Prognosemärkte, die es Privatpersonen ermöglicht, auf den Ausgang künftiger Ereignisse zu wetten. Das Angebot deckt eine Vielzahl von Bereichen ab, von klassischen Themen wie Sportergebnissen bis hin zu Rohstoffen, Politik und zahlreichen weiteren Gebieten, darunter seit gut vier Wochen auch die Luftfahrt.

Laut einer Klage, die FlightAware Anfang dieser Woche bei einem Bezirksgericht in New York eingereicht hat, weitete Kalshi sein Marktangebot am 14. Juli 2026 auf die zivile Luftfahrt aus – konkret auf die Frage, ob Flüge an bestimmten Flughäfen gestrichen werden.

FlightAware beantragt bei Gericht eine einstweilige Verfügung, die Kalshi die Nutzung der Marke oder der Daten des Unternehmens untersagt, und fordert zudem, Kalshi zur Offenlegung und Herausgabe sämtlicher Gewinne zu verpflichten, die aus der unbefugten Nutzung der FlightAware-Marken erzielt wurden. Darüber hinaus verlangt FlightAware Schadenersatz in Höhe des bis zu Dreifachen des tatsächlich entstandenen Schadens sowie die Erstattung der Rechtsverfolgungskosten.

So lautet beispielsweise eine der derzeit auf Kalshi laufenden Prognosefragen: „Werden am 21. Oktober 2026 mindestens 50 % der geplanten Flüge am Flughafen JFK gestrichen?“ Darauf kann man dann Geld setzen und gewinnen oder verlieren, wie das u.a. bei den bekannten Sportwetten der Fall ist,

FlightAware macht geltend, dass Kalshi vor Einreichung der Klage Logo, Name und Marke des Unternehmens FlightAware ohne dessen Zustimmung verwendet habe – und dies auch dann fortsetzte, nachdem die Flugverfolgungs-Website das Unternehmen zur Unterlassung aufgefordert hatte.

In der Klageschrift heißt es: „Kalshi hat FlightAware zu keinem Zeitpunkt darüber informiert, dass es sich bei der Ermittlung der Ergebnisse dieser Wettmärkte auf die Daten von FlightAware stützen würde. Sobald FlightAware von Kalshis unzulässigem Verhalten Kenntnis erlangte, verschickte das Unternehmen umgehend Abmahnungen.“ „Trotzdem bietet Kalshi bis heute Wetten auf annullierte Flüge an und bewirbt diese mit dem Hinweis, sie seien ‚durch FlightAware verifiziert‘ – obwohl Kalshi in eigenen Unterlagen andere Datenquellen nennt, die zur Abrechnung der Wetten herangezogen werden könnten.“

FlightAware erklärt, seine Nutzungsbedingungen hätten Kalshi bereits zuvor untersagt, die umfangreiche Datenbank und die proprietären Informationen des Unternehmens für den Betrieb seines Prognosemarktes im Luftfahrtbereich zu nutzen; dennoch habe FlightAware – nur zwei Tage nach dem Start des Marktes durch Kalshi – die Nutzungsbedingungen angepasst, um Prognosemärkte ausdrücklich als unzulässig zu deklarieren.

Das Unternehmen äußert sich besorgt nicht nur über die unbefugte Nutzung von Name und Daten durch Kalshi, sondern auch darüber, dass Verbraucher, die auf solche Prognosemärkte setzen, einen Anreiz haben könnten, das Marktergebnis zu beeinflussen.

„Die mit Prognosemärkten verbundenen Risiken haben bereits zu Vorwürfen wegen schwerwiegenden Fehlverhaltens und anderen besorgniserregenden Warnsignalen geführt“, heißt es in der Klageschrift. Darin wird behauptet, ein Soldat der Army Special Forces habe geheime Informationen über die geplante Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro genutzt, um bei Polymarket – dem Hauptkonkurrenten von Kalshi – Wetten zu platzieren, die ihm mehr als 400.000 US-Dollar einbrachten.

Die Klage deutet darauf hin, dass Verbraucher dazu verleitet werden könnten, Flugausfälle herbeizuführen, um eine Wette zu gewinnen, wodurch möglicherweise das Leben von Passagieren gefährdet würde.

Am 15. Juli 2026, nur einen Tag, nachdem Kalshi seinen Prognosemarkt für Flugausfälle gestartet hatte, reagierte FlightAware mit einer Unterlassungsaufforderung und verlangte, dass die Plattform die Nutzung ihrer Daten und ihrer Marke einstellt. Als Reaktion darauf fügte Kalshi seiner Website einen Hinweis hinzu, dass die Märkte für Flugausfälle nicht von FlightAware unterstützt würden, auch wenn das Unternehmen weiterhin auf Daten von FlightAware zurückgriff. Seit Einreichung der Klage hat Kalshi aber den Namen FlightAware von seiner Website entfernt.

Die Anwälte von FlightAware schreiben: „Die Nachricht von Kalshis geplantem Markt für Wetten auf Flugausfälle stieß auf breite öffentliche Empörung. Zahlreiche Kommentatoren im Internet wiesen auf die Sicherheitsrisiken hin, die entstehen, wenn Spekulanten und böswillige Akteure dazu animiert werden, Flugausfälle zu verursachen, um von ihren platzierten Wetten zu profitieren.“

FlightAware erklärt, durch die unbefugte Nutzung seiner Marken durch Kalshi geschädigt worden zu sein; einige Nutzer hätten angekündigt, FlightAware zu boykottieren und Konkurrenzprodukte zu verwenden, da sie fälschlicherweise von einer Partnerschaft zwischen FlightAware und Kalshi ausgingen. „Als Unternehmen, dessen Geschäftstätigkeit von der Sicherheit und Integrität der Luftfahrt abhängt, droht FlightAware ein unmittelbarer und irreparabler Schaden, da seine Daten und sein Name mit Verhaltensweisen in Verbindung gebracht werden, die den Flugbetrieb und die Sicherheit der Passagiere gefährden könnten“, heißt es in der Klageschrift weiter.

FlightAware beantragt bei Gericht eine einstweilige Verfügung, die Kalshi die Nutzung der Marke oder der Daten des Unternehmens untersagt, und fordert zudem, Kalshi zur Offenlegung und Herausgabe sämtlicher Gewinne zu verpflichten, die aus der unbefugten Nutzung der FlightAware-Marken erzielt wurden. Darüber hinaus verlangt FlightAware Schadenersatz in Höhe des bis zu Dreifachen des tatsächlich entstandenen Schadens sowie die Erstattung der Rechtsverfolgungskosten. Quelle: FlightAware / CM

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