Der Präsidentin von Japan Airlines (JAL), Mitsuko Tottori, wird ihr Gehalt für zwei Monate um 30 % gekürzt. Dies ist Teil der Reaktion der Fluggesellschaft auf einen Alkoholvorfall, bei dem eine Flugbegleiterin dabei ertappt wurde, wie sie ihren Dienst bei einem Flug antreten wollte, obwohl ihr Alkoholpegel leicht über dem für das Flugpersonal zulässigen Grenzwert lag.
Mitsuko Tottori und der übrige Vorstand von Japan Airlines müssen sich aufgrund dieses Vorfalls „Disziplinarmaßnahmen“ stellen. Das japanische Verkehrsministerium hat die Fluggesellschaft angewiesen, bis zum 17. Juli 2026 einen Bericht darüber vorzulegen, wie sie künftige derartige Vorfälle verhindern will.

Der Vorfall ereignete sich am 23. Mai 2026: Die Leitende Flugbegleiterin von JAL, die nach einem Inlandsflug von Tokyo einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Hiroshima einlegte, traf sich in der Hotelbar mit einem weiteren Besatzungsmitglied auf ein paar Drinks.
Japan Airlines schreibt vor, dass vor der Durchführung eines Fluges zwölf Stunden lang kein Alkohol konsumiert werden darf; im vorliegenden Fall hätte dies bedeutet, dass die beiden ihren Alkoholkonsum bereits um 18:30 Uhr hätten einstellen müssen.
Obwohl sie sich schon um 17:30 Uhr – also nur eine Stunde vor Beginn der Sperrfrist – getroffen hatten, bestellte die leitende Flugbegleiterin ihr letztes Getränk erst um 19:15 Uhr. Insgesamt hatte sie zwei Bier und zwei kleine Gläser Weißwein konsumiert, bevor sie sich gegen 21:25 Uhr auf ihr Zimmer zurückzog.
Die Leitende Stewardess führte den ersten Test am nächsten Morgen um 05:45 Uhr in ihrem Hotelzimmer durch; dabei wurde ein Wert von 0,23 Milligramm Alkohol gemessen – ein Wert, der über dem strengen Grenzwert von JAL lag. Sie hätte das Testergebnis eigentlich bei ihrem Arbeitgeber einreichen müssen, zögerte dies jedoch hinaus. Sie hoffte, dass ihr Alkoholpegel bis zu ihrer Ankunft am Flughafen – wo ein zweiter Test durchgeführt wird – kein Problem mehr darstellen würde. Bei diesem Atemalkoholtest wurde ein Wert von 0,11 Milligramm Alkohol gemessen; dies lag weiterhin über dem zulässigen Grenzwert. Folge: Die Lady wurde vom Dienst abgezogen und eine Ersatzkraft musste gefunden werden. Letztlich bedeutete das eine Verspätung des Starts von etwa 40 Minuten.
Nach Angaben des Verkehrsministeriums haben erste Untersuchungen des Vorfalls Zweifel am Sicherheitsmanagementsystem von Japan Airlines aufkommen lassen, da sich die Flugbegleiterin dem Vortest in ihrem Hotelzimmer entziehen konnte, ohne dass JAL davon erfuhr. Unmittelbar nach diesem Vorfall führte JAL ein striktes Alkoholverbot für Flugbegleiter während ihrer Aufenthalte am Zielort (Layover) ein; diese Regelung gilt jedoch nicht für Besatzungsmitglieder, wenn sie sich zu Hause aufhalten. Theoretisch besteht somit weiterhin die Möglichkeit, dass Flugbegleiter den Test zu Hause manipulieren können.
Japan Airlines geriet nach mehreren Alkoholeskapaden in den vergangenen Jahren ins Visier des Verkehrsministeriums. Auslöser für die behördliche Überprüfung war die Inhaftierung eines Ersten Offiziers von JAL in Großbritannien, nachdem er 2018 am Flughafen London Heathrow (LHR) bei einem polizeilichen Atemalkoholtest durchgefallen war. Der Pilot soll den vor dem Flug durchgeführten Alkoholtest in den Büroräumen der Airline am LHR manipuliert haben, bevor er an Bord seiner Maschine nach Tokyo marschieren wollte. Misstrauische Mitarbeiter verständigten jedoch die Polizei, die den Piloten nach der Durchführung eines eigenen Alkoholtests umgehend festnahm. Nach seiner Verhaftung räumte der Pilot ein, in der Nacht vor seinem Dienstantritt zwei Flaschen Wein sowie mehr als anderthalb Liter Bier getrunken zu haben. Er wurde zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt.
Bei einem weiteren Vorfall im April 2024 sah sich JAL gezwungen, einen Flug von Dallas-Fort Worth nach Tokyo-Haneda zu streichen, nachdem der Kapitän in der Lobby des Crew-Hotels, in dem die Besatzung übernachtete, betrunken und aggressiv aufgetreten war. Quelle: Japan Commercial News / CM