Absurder Verbindungsvorschlag mit 74 km Fußweg beim Umsteigen 

Eine junge Frau aus dem Raum Bremen wollte kürzlich von Frankfurt (Oder) nach Berlin und dann weiter in ihre Heimat reisen. Auf ihrem Smartphone suchte sie nach einer passenden Bahnverbindung. Statt im DB-Navigator nachzuschauen, öffnete sie aus alter Gewohnheit die App ihres regionalen Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen (VBN) namens „Fahrplaner“.

Wegen Bauarbeiten auf der Bahnstrecke fanden sich in der VBN-App überwiegend Direktbusverbindungen als Schienenersatzverkehr – aber auch Umsteigeverbindungen mit Regionalzügen über Nebenstrecken.

Bahnumsteigeverbindung mit 74 km Fußweg… Screenshot Eckhard Stengel

Einer der Fahrvorschläge passte der Reisenden zeitlich am besten: mit der Regionalbahn um 16:09 Uhr ab Frankfurt (Oder) Richtung Eberswalde, unterwegs in Seelow aussteigen und mit einem Regionalexpress weiter nach Berlin-Südkreuz fahren, Ankunft schon um 17:04 Uhr.

Ein Mitreisender mit demselben Ziel wunderte sich allerdings, dass seine bevorzugte Bahn-App, der „DB Navigator“, diese Verbindung nicht anzeigte. Stattdessen schlug die DB-App vor, die Regionalbahn erst am Zielbahnhof Eberswalde zu verlassen und dort in einen Regionalexpress nach Berlin zu steigen, mit deutlich späterer Ankunft als beim vorzeitigen Umstieg in Seelow.

Welcher App sollte man nun glauben? Zum Glück fand sich in der besagten Regionalbahn Richtung Eberswalde eine ortskundige Zugbegleiterin als Schiedsrichterin. Die wunderte sich sehr über die VBN-Empfehlung. Denn beim Zwischenhalt in Seelow kann man überhaupt nicht Richtung Berlin umsteigen.

Erst beim genaueren Blick auf den Verbindungsvorschlag fällt auf, dass auch die VBN-App dies keineswegs so behauptet hat. Man soll in Seelow zwar aussteigen, aber dann zum Bahnhof Zossen gehen und erst dort in einen Zug nach Berlin einsteigen. Offenbar trauen die VBN-Programmierer den Reisenden dabei übermenschliche Fähigkeiten zu: Die Umsteigezeit beträgt nur neun Minuten, die Entfernung von Seelow nach Zossen jedoch 74 Kilometer.

Zum Glück wurde der IT-Fehler noch rechtzeitig vor dem empfohlenen Ausstieg in Seelow aufgedeckt. Sonst hätte die junge Reisende dort beim Warten auf den Berlin-Zug ganz schön alt ausgesehen. Quele: Eckhard Stengel / CM

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