Am vergangenen Wochenende (24./25. Oktober 2026) haben Taiwans zwei größte internationale Fluggesellschaften EVA Air und China Airlines erstmals seit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine im Februar 2022 wieder Flüge durch den russischen Luftraum durchgeführt. Die Entscheidung kam für die Passagiere überraschend, doch nun scheint es eine Erklärung für diese plötzliche Änderung zu geben: die sogenannte „Ein-China“-Politik.
Die Regierung Taiwans betrachtet die Insel seit 1949 als unabhängigen und demokratischen Staat – jenem Jahr, in dem die unterlegene nationalistische Regierung am Ende des chinesischen Bürgerkriegs auf die dem chinesischen Fesdtland vorgelagerte Insel nach Taiwan floh.
Peking hat Taiwan nie als unabhängiges Land anerkannt. Aus Sicht Pekings ist Taiwan eine abtrünnige Provinz, die eines Tages wieder mit dem Rest der Volksrepublik China vereint werden soll. Um dieses Ziel zu verfolgen, verfolgt Peking seit Langem die „Ein-China“-Politik.
Diese Politik übt politischen Druck auf nahezu alle Regierungen dieser Welt aus, Taiwan nicht als unabhängigen Staat anzuerkennen. Dies ist auch der Grund, warum Taiwan keinen Sitz bei den Vereinten Nationen hat und warum die Sportler der Insel bei den Olympischen Spielen unter der Bezeichnung „Chinesisch Taipeh“ antreten.
Die „Ein-China-Politik“ kann es für die in Taiwan ansässigen Fluggesellschaften schwierig machen, den Luftraum über dem chinesischen Festland zu nutzen. Zwar führen sowohl EVA Air als auch China Airlines Flüge zwischen Taiwan und der Volksrepublik China durch, doch bei Langstreckenflügen wird der Luftraum der Volksrepublik China in der Regel gemieden. So wählen Air China und EVA Air bei Flügen nach Europa üblicherweise eine südliche Route, die über Thailand, Indien, Pakistan und den Nahen Osten nach Europa führt. Am vergangenen Wochenende aber hat Pakistan jedoch Berichten zufolgeden taiwanesischen Airlines die Nutzung seines Luftraums untersagt. Zum Hintergrund: Pakistan erkennt die „Ein-China-Politik“ an.
Nachdem Pakistan seinen Luftraum für die taiwanesischen Fluggesellschaften gesperrt hatte, mussten China Airlines und EVA Air nach Wegen suchen, ihre Flüge nach Europa weiterhin durchzuführen. In einigen Fällen konnten die Fluggesellschaften ihre Routen so anpassen, dass sie weiterhin auf der südlichen Strecke blieben, dabei jedoch den pakistanischen Luftraum knapp umgingen. In anderen Fällen entschieden sich die Fluggesellschaften hingegen für die Nutzung des russischen Luftraums. Hier einige Beispiele:
A1. m 23. Oktober führte EVA Air den Flug BR88 von Paris nach Taipeh auf der üblichen südlichen Route durch. Am 24. Oktober wurde die Verbindung gestrichen, am 25. Oktober jedoch wieder aufgenommen – diesmal über die Polarroute durch Russland, wobei die Volksrepublik China weiträumig umflogen wurde.
2. Der Flug CI-82 von China Airlines von London Heathrow nach Taipeh verlief am 23. Oktober noch über die südliche Route durch den pakistanischen Luftraum. Am 25. Oktober wurde zwar weiterhin die südliche Route gewählt, Pakistan dabei jedoch umflogen.
3. Der Flug CI-64 von China Airlines von Wien nach Taipeh nutzte bis zum 27. Oktober die südliche Route, bevor er auf die Polarroute wechselte.
Die Angelegenheit wurde am Mittwochabend (28. Oktober 2026) komplizierter, als die pakistanische Regierung bekannt gab, dass sie China Airlines und EVA Air wieder die Erlaubnis zur Nutzung des pakistanischen Luftraums erteilt habe. Pakistan äußerte sich nicht dazu, ob diese Entscheidung einen Kurswechsel darstellt. Quelle: CM