Emirates will keine der ersten gebauten B 777X

Das seit Langem verzögerte 777X-Programm von Boeing erleidet einen weiteren Rückschlag, nachdem einer der größten Kunden der Golf-Carrier Emirates, Bedenken hinsichtlich der zuerst gefertigten Maschinen geäußert hat.

Sir Tim Clark, Chef der Golf-Airline Emirates, erklärte am Dienstag, die Fluggesellschaft werde die ersten zehn für die Auslieferung vorgesehenen 777X-Maschinen nicht abnehmen. Grund dafür sei der enorme Reparaturaufwand, der erforderlich ist, um Konstruktionsänderungen umzusetzen, die sich im Laufe des langwierigen Zertifizierungsverfahrens ergeben haben.

Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat die in Everett gefertigte 777X noch nicht für die Passagierbeförderung zugelassen, doch laut Boeing macht das Unternehmen Fortschritte. Boeing rechnet weiterhin mit der ersten Auslieferung im Jahr 2027 – sieben Jahre später als ursprünglich geplant.

Emirates hat mehr als 270 Flugzeuge aus der 777X-Familie bestellt, die zwei Passagierversionen sowie eine Frachtvariante umfasst. Emirates gehörte zu den ersten Fluggesellschaften, die diese neuen Großraumflugzeuge bestellten.

Zunächst teilte Clark der britischen Zeitung „The Telegraph“ mit, dass die Fluggesellschaft die frühen 777X-Maschinen nicht abnehmen werde; dabei scherzte er – wenn auch nicht ganz ohne Ernst –, man solle diese Jets stattdessen zu Konservendosen für gebackene Bohnen verarbeiten. Diese Haltung bekräftigte er am Dienstag bei einem Pressegespräch auf der Farnborough Airshow, der weltweit wichtigsten Fachmesse der Luft- und Raumfahrtindustrie.

Während des Gesprächs äußerte Clark die Vermutung, dass Boeing diese frühen Maschinen womöglich abschreiben müsse, da sie sich möglicherweise nicht für die Auslieferung an eine Fluggesellschaft eigneten – was einen weiteren finanziellen Verlust für das Programm bedeuten würde. Schätzungen des Analysehauses Agency Partners zufolge sind für das Flugzeugprogramm bereits zusätzliche Kosten in Höhe von fast 15 Mrd. US-Dollar angefallen.

Dennoch zeigte sich Clark zuversichtlich hinsichtlich der 777X-Maschinen, die Boeing zu einem späteren Zeitpunkt bauen wird. Diese werden Korrekturen für fertigungsbedingte Probleme enthalten, die während des Zertifizierungsprozesses aufgetreten sind – darunter Risse an der Schubstrebe des Triebwerks sowie ein Problem mit der Haltbarkeit des Triebwerks, das Boeing im Januar eingeräumt hatte. Wäre der Riesenvogel früher zertifiziert worden, wären diese Probleme erst im laufenden Betrieb aufgetreten, so Clark, „und wir hätten dann ein entsprechendes Gespräch mit ihnen führen müssen.“

Er erklärte, der neue Boeing-CEO Kelly Ortberg und die neue Leiterin der Sparte Verkehrsflugzeuge, Stephanie Pope – beide im Januar 2024 ernannt – hätten das Unternehmen wieder auf Kurs gebracht. Als Beleg hierfür verwies er auf die Entscheidung der US-Luftfahrtbehörde FAA, Boeing wieder die volle Befugnis zur Eigenzertifizierung der Flugsicherheit seiner Maschinen zu erteilen; diese Befugnis hatte die Behörde nach zwei tödlichen Abstürzen der 737 MAX sowie Fertigungsproblemen beim 787 Dreamliner entzogen.

Boeing wollte sich zu Clarks Äußerungen nicht äußern. Seine Bemerkungen erfolgten kurz nachdem der Luft- und Raumfahrtkonzern bestätigt hatte, im vergangenen Jahr eines seiner frühen 777X-Flugzeuge verschrottet zu haben. Im Gespräch mit Medienvertrern erklärte Pope, Boeing prüfe derzeit den Arbeitsaufwand, der erforderlich sei, um alle bereits gefertigten 777X-Maschinen an die neuesten Konstruktionsänderungen anzupassen. Bei diesem Prozess – der sogenannten „Change Incorporation“ (Umsetzung von Änderungen) – handele es sich um ein bei neuen Flugzeugprogrammen übliches Verfahren, so Pope.

In diesem Zusammenhang prüfe Boeing „stets, welche Kosten die jeweilige Änderung verursacht und welche Leistungsfähigkeit das Flugzeug dadurch erhält“, sagte Pope. Man wolle sicherstellen, „dass wir die richtige Lösung finden – nicht nur für Boeing, sondern auch für unsere Kunden.“

Boeing hat bereits rund 30 777X-Flugzeuge fertiggestellt und rechnet damit, dass die Arbeiten zur Umsetzung der Änderungen mehrere Jahre in Anspruch nehmen werden. Emirates erwartet für September die Ankunft eines 777-9-Testflugzeugs in Dubai, wo weitere Tests zur Haltbarkeit der Triebwerke durchgeführt werden sollen; der Schwerpunkt liegt dabei speziell auf dem heißen, trockenen Klima, in dem das Flugzeug später zum Einsatz kommen wird, so Clark.

Diese zusätzlichen Tests seien von Anfang an Teil des Plans gewesen – bereits seit der ursprünglichen Bestellung der 777X durch die Fluggesellschaft, fügte Clark hinzu. Nun handele es sich um eine „abschließende Überprüfung“, um sicherzustellen, dass das Flugzeug „tatsächlich all das leistet, was versprochen wurde“. Quelle: CM

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