US-Investmentfirma Castlelake: Details zu 6,3-Mrd.-Dollar-Übernahmeangebot für EasyJet

Die US-Investmentfirma Castlelake hat weitere Einzelheiten zu ihrem Plan bekannt gegeben, die britische Billigfluggesellschaft EasyJet vollständig zu übernehmen. Wie das Unternehmen am Montag, 22. Juni 2026, mitteilte, wurde ein Angebot im Wert von 4,74 Mrd. Pfund (6,3 Mrd. US-Dollar bzw. 5,49 Mrd, Euro) ) ausgearbeitet, um die börsennotierte Fluggesellschaft zu einem Preis von 6,25 Pfund pro Aktie zu erwerben.

Die im US-Bundesstaat Minneapolis ansässige Firma für alternative Investments hatte ihr Interesse an EasyJet erstmals Ende Mai bekundet (CM berichtete). Damals hieß es, man prüfe eine mögliche Transaktion zur Überführung der Fluggesellschaft in Privatbesitz, wobei man zugleich darauf hinwies, dass noch keine Kontaktaufnahme mit dem Verwaltungsrat von EasyJet erfolgt sei.

In der Zwischenzeit hat Castlelake dem Verwaltungsrat von EasyJet drei unverbindliche Angebote unterbreitet, die jedoch jedes Mal abgelehnt wurden. Castlelake hofft nun, durch die Veröffentlichung von Einzelheiten zu dem dem Verwaltungsrat vorgelegten Vorschlag Druck auf die Fluggesellschaft auszuüben, damit diese formelle Verhandlungen aufnimmt.

• Am 12. Juni unterbreitete Castlelake zunächst ein Angebot zum Erwerb der 758 Mio. EasyJet-Aktien zu einem Preis von 5,60 £ pro Aktie. Dieser Vorschlag wurde wenige Tage später, am 16. Juni, abgelehnt.

• Nur einen Tag später legte Castlelake einen neuen Vorschlag mit einem Angebotspreis von 6,00 £ pro Aktie vor. Der Verwaltungsrat von EasyJet lehnte diesen Vorschlag am 20. Juni ab.

• Innerhalb weniger Stunden kündigte Castlelake an, den Angebotspreis auf 6,25 £ pro Aktie zu erhöhen. Der Verwaltungsrat lehnte auch dieses Angebot am Sonntag, 21. Juni 2026, ab.

„Nach der Ablehnung dreier Vorschläge durch den Verwaltungsrat von EasyJet und angesichts dessen mangelnder Bereitschaft zu einem konstruktiven Dialog legt Castlelake diesen dritten Vorschlag vor. Damit sollen die EasyJet-Aktionäre in die Lage versetzt werden, die Vorzüge des Angebots zu prüfen und dem Verwaltungsrat ihre Meinung dazu mitzuteilen“, erklärte die Investmentfirma am Montag.

Castlelake hat bis zum 26. Juni Zeit, ein formelles Übernahmeangebot für EasyJet anzukündigen; dies erfolgt im Rahmen der sogenannten „Put-up-or-shut-up“-Regelungen (die den Bieter dazu zwingen, entweder ein verbindliches Angebot vorzulegen oder von weiteren Schritten abzusehen).

Das US-Unternehmen hofft, die Aktionäre davon zu überzeugen, dass sein Angebot die besten Renditen verspricht: Der Preis von 6,25 £ pro Aktie entspricht einem Aufschlag von 59 % gegenüber dem EasyJet-Aktienkurs zum Börsenschluss am 28. Mai (dem letzten Tag, an dem der Aktienkurs noch nicht potenziell durch das Übernahmeangebot beeinflusst war – dem sogenannten „undisturbed date“).

Darüber hinaus entspricht der Angebotspreis einem Aufschlag von 71 % gegenüber dem durchschnittlichen Aktienkurs von EasyJet seit dem 16. April – dem Zeitpunkt nach Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten – sowie einem Aufschlag von 35 % gegenüber dem Kurs vom 27. Februar 2026, dem Tag vor Beginn der gemeinsamen Militäroperation der USA und Israels gegen den Iran.

Gemäß den EU-Wettbewerbsvorschriften kann Castlelake nicht die vollständige Kontrolle über EasyJet übernehmen; stattdessen muss das Unternehmen einen europäischen Partner finden, der eine Mehrheitsbeteiligung an der Fluggesellschaft erwirbt. Es hatte Gerüchte gegeben, Castlelake strebe eine Partnerschaft mit einer europäischen Airline-Gruppe an – etwa mit Air France-KLM –, doch das Unternehmen hat sich für einen anderen Weg entschieden.

Castlelake ist inzwischen eine Partnerschaft mit zwei europäischen Führungskräften aus der Luftfahrtbranche eingegangen. Diese sollen ein in der EU ansässiges Unternehmen kontrollieren, das wiederum die Mehrheitsbeteiligung an EasyJet übernimmt. Bei einer dieser Führungskräfte handelt es sich um den Iren Peter Bellew, den ehemaligen CEO von Malaysia Airlines. Bellew verließ Malaysia Airlines im Jahr 2017 und wechselte als Chief Operating Officer zu Ryanair, dem größten Konkurrenten von EasyJet. Er blieb jedoch nur wenige Jahre bei Ryanair, bevor bekannt wurde, dass er dieselbe Position bei EasyJet übernehmen wollte. Es folgte ein heftiger Rechtsstreit, in dem Ryanair versuchte, Bellews Wechsel zu EasyJet zu verhindern, mit der Begründung, er habe in seinem Arbeitsvertrag eine Wettbewerbsverbotsklausel unterzeichnet. Letztlich verlor Ryanair den Prozess, und Bellew wechselte zu EasyJet. Doch auch bei EasyJet blieb Bellew nur wenige Jahre, bevor er überraschend ausschied. Seine Amtszeit war davon geprägt, dass Kabinenpersonal- und Pilotengewerkschaften ihm vorwarfen, Investoren und Belegschaft im Zuge von Bemühungen zur Senkung der Personalkosten „in die Irre geführt“ zu haben.

Das Interesse von Castlelake an EasyJet gilt dessen Vermögenswerten, wie etwa Airbus-A320-Flugzeugen und Triebwerken im Wert von mehreren Mio. Dollar. Angesichts der Auswirkungen steigender Kerosinpreise auf den Aktienkurs von EasyJet übersteigt der Wert der Vermögenswerte der Fluggesellschaft derzeit die Gesamtbewertung des britischen Lowcost-Luftfahrt-Unternehmens.

Der Verwaltungsrat von EasyJet kritisierte den Zeitpunkt des Vorstoßes von Castlelake scharf als „höchst opportunistisch“; die Investmentfirma hingegen argumentiert, ihr Angebot schneide im Vergleich zu den ehrgeizigen Finanzzielen, die EasyJet für das kommende Jahrzehnt anstrebt, „vorteilhaft“ ab. Quelle: Castlelake / CM

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert