Nium, Plattform für grenzüberschreitende Zahlungen, hat ihre Kapazitäten für inländische Transaktionen und die Kartenausgabe auf die USA ausgeweitet. Kunden – darunter Travel-Management-Unternehmen (TMCs) und andere Akteure der Reisebranche – können nun über die integrierte Plattform von Nium lokale Karten ausstellen.
Yael Klein, Senior Vice President für B2B-Zahlungen bei Nium, die auf eine langjährige Karriere in der Geschäftsreisebranche zurückblicken kann – u.a. in Führungspositionen bei der ehemaligen AirPlus und dem gleichfalls verkauften Unternehmen American Express Global Business Travel –, sprach kürzlich über diese Expansion, die Produkt-Roadmap von Nium sowie über die Entwicklungen im Bereich KI und Kryptowährungen im Zahlungsverkehr.
Nium ermöglicht laut Yael Klein den weltweiten Geldtransfer. Wann immer jemand reist – schon bei der Buchung –, findet ein Geldfluss statt. Ich war letzte Woche in Jakarta. Klein: „Ich buche über mein Reisebüro und gebe meine Kartendaten ein; mein Travel-Management-Unternehmen (TMC) leitet diese Daten direkt an die Fluggesellschaft weiter. Für mein Hotel hingegen wird eine sogenannte „Billback“-Lösung genutzt: Das TMC nimmt meine Kartendaten und stellt ein Zahlungsmittel für das Hotel aus. So können beim Check-out die Rechnungs- und Steuerdaten direkt erfasst werden. Genau hier kommt Nium ins Spiel. In Fällen, in denen der Geschäftsreisende seine Kartendaten nicht direkt selbst übermittelt, stellt das TMC – in diesem Beispiel – über unsere Plattform eine Karte aus, um das Hotel zu bezahlen. Ähnlich verhielt es sich bei meinem Transport vor Ort: Ich wurde am Flughafen von einem Fahrer abgeholt, der keine Kartenzahlungen akzeptierte. In diesem Fall erfolgte die Zahlung per Banküberweisung. Genau das ist es, was Nium tut.“
Wenn die Karte eines Geschäftsreisenden oder Endkunden nicht für den gesamten Buchungsvorgang genutzt werden kann, übernimmt Nium den zweiten Teil der Buchung und wickelt die Zahlung entweder über eine virtuelle Karte oder eine entsprechende Überweisungsform ab. Hier kommt Nums leistungsstarke Infrastruktur zum Tragen: Nium ist nicht auf ein klassisches Bankennetzwerk angewiesen – im Gegenteil, Banken nutzen Nium‘s Infrastruktur. Da Nium direkt an die lokalen Bankennetzwerke angebunden ist, kann das Unternehmen sofortige lokale Auszahlungen vornehmen, die deutlich kostengünstiger sind als internationale Überweisungen über herkömmliche Banken. Wer schon einmal Geld ins Ausland überwiesen hat, weiß, dass dies bei Banken meist mit hohen Kosten verbunden ist. Nium’s Ansatz unterscheidet sich grundlegend, „da wir dank unserer spezifischen Infrastruktur lokale Auszahlungen ermöglichen.“
Expansion in den US-Markt – speziell im Bereich der Kartenausgabe. Reisen sind ein globales Thema. Jeder Travel Manager wird bestätigen, dass Unternehmen einen globalen Anbieter bevorzugen – das gilt besonders für den Bereich Geschäftsreisen. Die aktuelle Landschaft ist oft stark fragmentiert: Travel Manager arbeiten häufig mit verschiedenen Kreditkartenanbietern und mehreren Travel Management Companies (TMCs) zusammen, um eine umfassende globale Betreuung sicherzustellen. Viele von Nium’s Kunden greifen auf eine Vielzahl unterschiedlicher Banken und Kartenanbieter zurück. Entscheidend ist kaut Klein, „dass wir unseren globalen Kunden eine einheitliche Infrastruktur bieten können. Die USA waren für uns bisher eine Lücke. Zwar konnten wir den US-Markt auch von außerhalb bedienen, doch ein lokales, inländisches Produkt ist für ein wirklich globales Angebot unerlässlich. Diese Lücke haben wir nun geschlossen: Unsere Infrastruktur ermöglicht es unseren Kunden, weltweit mit uns zusammenzuarbeiten.“
Die nächste Station auf Nium’s Roadmap ist Klein zufolge Lateinamerika].Betrachtet man die weltweiten Statistiken, so zählt Brasilien zu den größten Reisemärkten der Welt. Es ist für Nium entscheidend, dort langfristig mit einem lokal angepassten Produkt Fuß zu fassen.
Nimm arbeitet mit APIs. Den Worten Yael Klein‘s zufolge ist Nium’s Produkt nur dann wirklich gut, wenn es unsichtbar bleibt. Nium muss im Hintergrund auf exzellente Weise agieren, ohne dabei aufzufallen. Alles muss automatisiert sein. Nium arbeitet mit APIs. Dabei ist Ziel, Abläufe nahtloser und weniger kompliziert zu gestalten. Der Zahlungsverkehr ist derzeit noch etwas fehleranfällig. Bisher haben sich alle auf die Benutzeroberfläche für den Käufer oder auf die Backend-Prozesse konzentriert – doch das Ergebnis ist oft nur ein Flickenteppich aus verschiedenen Banken und Kreditkartenanbietern. Bisher hat sich kaum jemand ernsthaft damit befasst, wie man diesen Prozess nahtloser gestalten könnte. Man hat sich daran gewöhnt, weltweit auf 12 verschiedene Anbieter angewiesen zu sein. Nium setzt genau hier an: „Wir ermöglichen es unseren Kunden, auf diese 12 Anbieter zu verzichten und stattdessen unsere Lösung zu nutzen. Genau darin investieren wir kontinuierlich: Wir machen die Zusammenarbeit mit uns einfacher, stellen mehr Daten bereit, ermöglichen eine nahtlose API-Integration und bauen unsere globale Präsenz stetig aus. Wir wickeln Auszahlungen in 190 Märkten ab – das ist schon beachtlich“, so Klein.
Bei der Automatisierung und auch bei der Betrugserkennung kommt vieles zum Einsatz. Alles, was mit großen Datenmengen oder – früher – mit 5.000 Excel-Listen zu tun hatte, wird heute mithilfe von KI abgewickelt. Nium setzt KI im gesamten Unternehmen ein. Nium nutzt KI, um zu verstehen, wie die Kunden agieren und vor welchen Herausforderungen sie stehen. Jede Serviceanfrage wird heute durch KI geleitet, um sie entsprechend zu bearbeiten.
Klein weiter: „Ich bin seit 25 Jahren in der Reisebranche tätig, und was ich in den letzten fünf Jahren erlebt habe, trägt maßgeblich dazu bei, das Kundenerlebnis im Hintergrund zu verbessern – es wird auf unauffällige Weise exzellent, und es gibt deutlich weniger Reibungspunkte. Das ist etwas, das einem oft gar nicht sofort bewusst wird. Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einer Straße voller Schlaglöcher und sind genervt – und plötzlich sind die Schlaglöcher verschwunden. Es dauert eine ganze Weile, bis man merkt, dass man nicht mehr von einem Schlagloch ins nächste holpert. Genau das passiert hier im Grunde: Wir beseitigen nach und nach die „Schlaglöcher“ auf dem Weg. Das verbessert das Kundenerlebnis ganz erheblich.“
Stablecoin-Zahlungen. Es gibt Bestrebungen, die praktische Nutzung von Stablecoin-Zahlungen voranzutreiben. Dazu Yael Klein: „ Ein Stablecoin ist letztlich nur ein weiterer Zahlungskanal – so wie Visa, MasterCard, UATP, Diners oder Discover. Es ist ein zusätzlicher Weg, um Gelder schnell zu transferieren. Stellen Sie sich ein Modell ähnlich einer Debitkarte vor: Kunden halten Guthaben bei uns, von dem aus sie Zahlungen tätigen oder virtuelle Karten ausstellen können. Unsere Kunden verfügen in der Regel nicht über große Liquiditätsreserven – die Reisebranche ist schließlich nie besonders kapitalstark, oder? Die Margen sind extrem gering.
Stablecoins ermöglichen eine Art globale Sofortzahlung, was den Kunden einen längeren Spielraum bei ihrem Betriebskapital verschafft. Bei herkömmlichen Verfahren müssten sie uns das Geld heute überweisen, damit es drei Tage später auf unserem Konto eingeht – und wir es dann an weitere Leistungsträger weiterleiten können, bei denen es wiederum ein oder zwei Tage später ankommt. Mit Stablecoins erfolgt die Transaktion in Echtzeit. Zudem helfen sie dabei, Währungsschwankungen abzufedern, da ein Stablecoin – wie der Name schon sagt – wertstabil ist. Stablecoins sind eine „erwachsene“ Form von Kryptowährungen. Ich habe früher bei einer deutschen Bank gearbeitet – und deutsche Banken sind, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade die innovativsten –, aber selbst dort hat man sich damit befasst. Es ist schlicht eine andere Art der Abwicklung; zudem ist es eine schnelle und sichere Zahlungsmethode. Quelle: BTN / CM