EasyJet ist die bislang größte Billigfluggesellschaft in Europa, die ankündigt, ab Anfang 2027 ihre gesamte Flotte mit ultraschnellem Starlink-WLAN auszustatten. Sollte der Installationsprozess wie geplant verlaufen, wird laut easyJet jedes der 356 Flugzeuge der Flotte innerhalb von etwas mehr als 12 Monaten über Starlink verfügen. Noch unklar ist jedoch, ob easyJet von seinen Passagieren eine Gebühr für die Nutzung von Starlink verlangen wird. In der Pressemitteilung von easyJet zur Partnerschaft mit Starlink wurde mit keinem Wort erwähnt, ob der Dienst kostenlos sein wird.
Starlink ist ein Geschäftsbereich von Elon Musks Unternehmen SpaceX und bietet Internetdienste mit geringer Latenz und Breitbandqualität über ein Netzwerk aus Satelliten in einer niedrigen Erdumlaufbahn an. Im Vergleich zu herkömmlichen WLAN-Systemen an Bord ist Starlink deutlich schneller und wesentlich zuverlässiger. Die Starlink-Konnektivität ist so leistungsstark, dass Passagiere das Internet genauso nutzen können wie am Boden. Filme und Serien streamen, Online-Spiele spielen oder arbeiten – all das ist in einer Flughöhe von 34.000 Fuß (ca. 10.400 Meter) problemlos möglich.
Noch vor Kurzem waren es vor allem etablierte Full-Service-Fluggesellschaften wie British Airways, Virgin Atlantic und United, die bei der Einführung von Starlink vorangingen – in der Erkenntnis, dass ein schnelles und zuverlässiges WLAN an Bord für ihre Passagiere immer wichtiger wird. In den letzten Monaten haben sich jedoch zunehmend auch Billigfluggesellschaften für Starlink entschieden. In Europa reiht sich easyJet damit in eine Liste ein, zu der bereits Air Baltic, Eurowings, Vueling und Wizz Air gehören. Mit fast 94 Mio. Passagieren im vergangenen Jahr ist easyJet jedoch die mit Abstand größte Billigfluggesellschaft in Europa, die auf Starlink setzt.
In der Vergangenheit hat Starlink Fluggesellschaften, die den Dienst anbieten wollten, recht strenge Vorgaben gemacht. Dazu gehört u.a. ein besonders einfacher Anmeldeprozess, bei dem deutlich erkennbar sein muss, dass der Internetdienst von Starlink bereitgestellt wird.
Müssen Passagiere bezahlen oder nicht? Bei Full-Service-Fluggesellschaften gehört es zudem zu den vertraglichen Anforderungen, den Dienst den Passagieren kostenlos zur Verfügung zu stellen. Für Billigfluggesellschaften gilt dies nicht zwangsläufig. Als die Muttergesellschaft von British Airways die Einführung von Starlink für alle ihre Fluggesellschaften ankündigte, wurde beispielsweise bestätigt, dass Vueling den Dienst gegen eine zusätzliche Gebühr anbieten würde, während er bei British Airways, Iberia und Aer Lingus kostenlos zur Verfügung stehen sollte.
Derzeit sieht es nicht danach aus, dass sich auch Ryanair für Starlink entscheiden wird. Anfang des Jahres geriet Ryanair-CEO Michael O’Leary in einen heftigen Streit mit SpaceX-Eigentümer Elon Musk über die Einführung von Starlink an Bord der Ryanair-Flugzeuge. O’Leary hatte die Einführung von Starlink ausgeschlossen. Er begründete dies damit, dass die für den Dienst erforderlichen Antennen auf dem Flugzeugdach aufgrund ihres zusätzlichen Gewichts und Luftwiderstands zu einem um 2 % höheren Treibstoffverbrauch führen würden.
Elon Musk und Michael Niccolls, Vizepräsident für Technik bei Starlink, reagierten darauf mit dem Einwand, dass die Antennen ihres Unternehmens deutlich flacher seien als herkömmliche Systeme. Dies führe bei einer Boeing 737-800 lediglich zu einem Mehrverbrauch von 0,3 %. Trotz dieses Gegenarguments blieb O’Leary bei seiner Haltung: Er ist der Ansicht, dass Passagiere nicht bereit wären, für die Nutzung von WLAN an Bord zu bezahlen – und kostenlos anbieten würde Ryanair den Dienst ganz bestimmt nicht.
Sollte Ryanair zu dem Schluss kommen, dass das Unternehmen langfristig doch WLAN an Bord anbieten muss, könnte O’Leary stattdessen einen alternativen Dienst in Betracht ziehen, der derzeit von Amazon entwickelt wird. Quelle: EasyJet / CM