Die Lufthansa, Deutschlands Flagcarrier, hat ein Problem. Sie erzielt zwar gute Umsätze, doch hohe Kosten drücken die Gewinnmargen erheblich. Verschiedene Maßnahmen zur Senkung von Ausgabenposten stoßen auf wohl auf Widerstand.
Die Lufthansa (LH) hat versucht, die Pensionskosten für ihre Piloten zu senken, doch diese streiken immer wieder. Die LH möchte außerdem die Verträge des Kabinenpersonals flexibler und kostengünstiger gestalten, doch auch hier ist die Gefahr eines potenziell schädlichen Streiks nicht auszuschließen. Sollte der jüngste Testlauf der Airline flächendeckend eingeführt werden, könnten die Probleme insbesondere die Kundenzufriedenheit betreffend schnell unangenehm werden.
Es sind eine ganze Reihe an Problemen, mit denen sich die LH im 100. Jahr ihres Bestehend herumschlagen muss. Noch ist z.B. die Gefahr nicht gebannt, dass die Öl- und damit auch Kerosinpreise weiter in die Höhe schießen. Denn im Augenblick ist nicht klar, ob der „Deal“ zwischen Donald Trump und den Mullahs inklusive Öffnung der Straße von Hormus tatsächlich die Sorgen der Industrienationen in Sachen Energieversorgung vertreibt.
All diese Faktoren könnten erklären, warum Lufthansa, obwohl sie sich zum Ziel gesetzt hat, Europas Premium-Airline zu werden, sich bei ihrer jüngsten Sparmaßnahme ein Beispiel an Billigfluggesellschaften genommen hat: Denn auf einigen Kurzstreckenflügen sollen die Jetst möglicherweise nicht mehr gereinigt. Dazu gab es einen Testlauf im März auf 20 Strecken, der für Flüge mit kurzen Standzeiten zurück nach Deutschland stattfand. Lufthansa bezeichnete den Test als „Light Cleaning“-Konzept: Danach soll die Business Class zwischen den Flügen standardmäßig gereinigt, während Economy Class und Toiletten nur bei Bedarf gereinigt werden. Die Reinigungskräfte sollen angewiesen werden, in der gesamten Kabine eine „Punktreinigung“ durchzuführen, vermutlich um größere Verschmutzungen durch die Passagiere zu beseitigen, während die Toiletten nur auf Wunsch der Flugbegleiter abgewischt werden. Ziel der LH ist es, die Standzeiten an den Außenflughäfen zu verkürzen und gleichzeitig zu prüfen, ob die Kundenzufriedenheit dadurch beeinträchtigt wird.
Im Rahmen des Pilotprojekts wurden verschiedene Konzepte geprüft, darunter ein Plan zur Reduzierung der Reinigungskräfte von vier auf zwei. Dieser Plan könnte erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichen, erfordert jedoch eine Verdopplung der Reinigungszeit von fünf auf zehn Minuten – nicht ideal bei den ohnehin schon knappen Abfertigungszeiten auf Kurzstrecken.
Es ist nicht das erste Mal, dass eine vermeintliche Premium-Airline versucht, die Reinigungsroutinen ihrer Billigkonkurrenten zu übernehmen. 2019 führte British Airways einen ähnlichen Test auf einer ihrer kürzesten Strecken durch, brach das Experiment jedoch nach heftiger Kritik von Kunden und Mitarbeitern schnell ab.
Billigfluggesellschaften haben eindeutig einen Vorteil, wenn es um die Optimierung ihrer Abläufe hinsichtlich Geschwindigkeit, Effizienz und Kosten geht. Passagiere wissen, dass die Sauberkeit unter Umständen zugunsten günstiger Tickets und pünktlicher Abflüge beeinträchtigt werden muss. So sehr sich Fluggesellschaften wie British Airways und Lufthansa dies auch wünschen würden, so funktioniert ein solches Geschäftsmodell nicht, betonen Luftfahrtexperten. Wenn man sich als Premium-Airline vermarkten will, muss das Reiseerlebnis diesem Versprechen gerecht werden. Quelle: X / BA / CM