Emirates will Mailand zu seinem Mini-Hub ausbauen

Emirates strebt eine Ausweitung ihrer Flugrechte in Italien an. Konkret soll die Airline aus Dubai die Erlaubnis für weitere sogenannte Fifth Freedom-Flights  von Mailand aus in Richtung Amerika beantragt haben – ein erster Vorschlag sah dabei eine Verbindung nach Lima (Peru) vor.

Dieser Flug nach Lima – bei dem Emirates eine Strecke von Dubai über Mailand nach Lima bedienen würde – ist Berichten zufolge nur der erste Schritt einer weitaus umfassenderen Expansionsstrategie, die Emirates für Italien plant.

„Flüge der fünften Freiheit“ ermöglichen es einer Fluggesellschaft, für jeden Teilabschnitt der Reise Tickets zu verkaufen. Im vorliegenden Fall könnte Emirates also Flugtickets für die Strecken Dubai–Mailand, Dubai–Lima sowie Mailand–Lima anbieten.

Emirates nutzt den Flughafen Mailand-Malpensa (MXP) bereits seit Langem für eine solche Verbindung der fünften Freiheit in Richtung New York (JFK) – ein Angebot, das allerdings nicht unumstritten ist.

Der Golfcarrier hatte 2013 die Genehmigung der italienischen Regierung für diese Route bekommen, musste sich zuvor jedoch gegen mehrere rechtliche Anfechtungen durch einheimische Fluggesellschaften und Branchenverbände durchsetzen. Dia damalige Alitalia argumentierte, dass Emirates den Wettbewerb im Land verzerren würde – mit Verweis darauf, dass die Airline vollständig im Besitz der Regierung von Dubai ist.

Letztlich setzte sich Emirates vor Gericht durch. Doch nun könnte es für Emirates schwieriger werden,  weitere Flüge der fünften Freiheit ab Mailand einzurichten. Der entscheidende Punkt ist, dass zwischen Italien und den Vereinigten Arabischen Emiraten kein umfassendes „Open-Skies“-Abkommen besteht. Das bedeutet, dass Fluggesellschaften aus den beiden Ländern nicht einfach beliebige Verbindungen in das jeweils andere Land aufnehmen können – dies gilt auch für Flüge der fünften Freiheit. Stattdessen muss Emirates eine Sondergenehmigung der italienischen Luftfahrtbehörde ENAC einholen, um einen Flug im Rahmen der „fünften Freiheit“ (Fifth Freedom) von oder nach Italien durchführen zu können.

Italienischen Medien zufolge steht die ENAC unter Druck durch eine wachsende Zahl in Italien ansässiger Fluggesellschaften, die sich gegen den Antrag von Emirates auf die Rechte zur Durchführung solcher Flüge – konkret nach Lima – aussprechen. Wie die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ berichtet, hat sich die neue nationale Fluggesellschaft ITA Airways, die Teil der Lufthansa Gruppe ist,  schriftlich an die ENAC gewandt, um gegen den Antrag von Emirates zu protestieren. Auch Neos Air und Aeroitalia haben sich dieser Forderung angeschlossen und die ENAC aufgefordert, das Gesuch von Emirates abzulehnen. Eine Entscheidung wird noch im Oktober 2026 erwartet, wobei nicht davon auszugehen ist, dass Emirates die Rechte – sollten sie gewährt werden – unmittelbar nutzen würde.

Es gibt gute Gründe für die Einrichtung einer Nonstop-Verbindung zwischen Mailand und Lima. Laut „Corriere della Sera“ reisen jährlich mehr als 150.000 Passagiere von Mailand nach Lima; da es keine Direktflüge gibt, sind sie auf Zwischenstopps angewiesen, um ihr Ziel zu erreichen. Sollte Emirates die Rechte der „fünften Freiheit“ für die Strecke Mailand–Lima erhalten, ist dies laut Quellenangaben nicht das einzige Ziel: Die Fluggesellschaft erwägt, den Flughafen Mailand-Malpensa zu einem „Mini-Drehkreuz“ auszubauen, von dem aus weitere Flüge im Rahmen der „fünften Freiheit“ – etwa nach Los Angeles, São Paulo und Mexiko-Stadt – angeboten werden könnten.

Was interkontinentale Langstreckenverbindungen betrifft, ist Mailand derzeit zweifellos unterversorgt. Denn als ITA Airways neu startete, entschied sich die heutige Lufthansa-Tochter ihre Langstreckenflüge auf den Standort Rom zu konzentrieren.

Flüge im Rahmen der „fünften Freiheit“ setzen voraus, dass eine ausländische Fluggesellschaft den ersten Teil der Flugstrecke von ihrem Heimatland aus durchführt. Es gibt jedoch auch die sogenannte „siebte Freiheit“ (Seventh Freedom): Dabei kann eine ausländische Fluggesellschaft ihre Flugzeuge in einem anderen Land stationieren und von dort aus Verbindungen in ein drittes Land anbieten. Genau ein solches Modell schlug Israel Anfang des Jahres gegenüber Emirates vor, um die Fluggesellschaft zu einer Rückkehr nach Tel Aviv zu bewegen. Emirates hat jedoch bislang kein öffentliches Interesse an einer Wiederaufnahme der Flüge nach Tel Aviv gezeigt; stattdessen wird diese Nachfrage nun von der Schwestergesellschaft Flydubai bedient, die ein günstigeres Preismodell verfolgt. Indes sah sich Flydubai vor wenigen Tagen gezwungen, sämtliche Flüge nach Israel auszusetzen – dies, nachdem ein Terroranschlag durch einen der Piloten auf einem Flug nach Tel Aviv vereitelt worden war. Quelle:  Corriere della Sera / CM

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