Mehrere Flugbegleiter und Bodenmitarbeiter wurden in Frankfurter Kliniken gebracht, nachdem sie verletzt worden waren, als am Donnerstagnachmittag, 04. Juni 2026, an einem Gate des Rhein-Main-Flughafens unerwartet das Bugfahrwerk einer brandneuen Boeing 787 Dreamliner der Lufthansa einknickte.
Die Besatzung des Langstreckenjets, der erst im Januar 2026 an die Lufthansa ausgeliefert worden war, bereitete sich gerade auf den Abflug nach Los Angeles (Flug LH-450) vor, als sich der Vorfall ereignete. In einer Stellungnahme bestätigte ein Lufthansa-Sprecher, dass sich zum Zeitpunkt des Vorfalls keine Passagiere an Bord des Flugzeugs befanden; allerdings waren bereits Besatzungsmitglieder sowie Bodenpersonal an Bord gegangen, um mit den Vorbereitungen zu beginnen, als das Bugfahrwerk einknickte. „Mehrere Mitarbeiter wurden verletzt und werden derzeit medizinisch versorgt“, hieß es in der Mitteilung. Und weiter:„Wir untersuchen derzeit gemeinsam mit den zuständigen Behörden die genauen Umstände. Techniker und Unterstützungspersonal sind vor Ort. Wir werden weitere Informationen bekannt geben, sobald diese vorliegen.“
Laut Flugverfolgungswebsites hatte Boeing im Oktober 2025 mit Testflügen dieser brandneuen Boeing 787-9 (Kennung: D-ABPQ) begonnen, bevor die Maschine am 17. Januar 2026 an die Lufthansa ausgeliefert wurde.
Laut Listenpreis kann eine neue Boeing 787-9 bis zu 300 Mio. US-Dollar kosten. Das Flugzeug ist mit der speziell für Lufthansa entwickelten „Allegris“-Business-Class-Kabine ausgestattet, deren Zertifizierung für die 787 Dreamliner auf erhebliche behördliche Hürden stieß.
Lufthansa nahm den Flugbetrieb mit der Boeing 787 von ihrem Drehkreuz Frankfurt aus erst im Oktober 2025 auf. Die Fluggesellschaft stationiert derzeit zehn dieser Maschinen in Frankfurt und bedient damit Ziele wie Austin, Rio de Janeiro, Bogotá, Kapstadt, Shanghai, Hyderabad und Hongkong. Erst Anfang Juni wurde die Strecke von Frankfurt nach Los Angeles in den Flugplan der 787 Dreamliner aufgenommen.
Passagiere, unter ihnen zahlreiche Geschäftsreisende, die auf den Einstieg in Flug LH-450 warteten, verharrten fassungslos und schweigend, als sie durch die großen Fenster am Frankfurter Flughafen mit ansehen mussten, wie das Bugfahrwerk plötzlich zusammensackte.
Fotos und Videos des Unfalls, die die erheblichen Schäden an der Maschine zeigten, verbreiteten sich rasch in den sozialen Medien. Neben der beschädigten Flugzeugnase war auch die vordere Frachttür stark in Mitleidenschaft gezogen worden, da sie gegen Bodenabfertigungsgeräte gekippt war.
Der Vorfall erinnert an einen sehr ähnlichen Unfall, der sich im Juni 2021 an einem regnerischen Tag am Flughafen London Heathrow mit einer Boeing 787 von British Airways ereignet hatte.
Das Flugzeug war auf einer Außenposition abseits des Terminalgebäudes abgestellt und wurde gerade für einen reinen Frachtflug vorbereitet, um persönliche Schutzausrüstung aus Asien zurückzubringen. Während der Standzeit am Boden wurde der Jet gewartet; dabei war ein Arbeitsschritt erforderlich, bei dem der Fahrwerkshebel im Cockpit betätigt werden musste. Um ein Einfahren des Fahrwerks zu verhindern, mussten Techniker einen Sicherungsstift in eine dafür vorgesehene Öffnung am Fahrwerk stecken. Der mit dieser Aufgabe betraute Techniker hatte den Stift zuvor noch nie eingesetzt und steckte ihn versehentlich in eine benachbarte Öffnung, die das Fahrwerk nicht arretierte. Unfallermittler stellten später fest, dass sich die beiden Öffnungen sehr ähnlich sahen und nicht eindeutig gekennzeichnet waren.
Lufthansa begann Ende 2025 mit Einsätzen ihrer brandneuen Boeing 787, noch bevor die „Allegris“-Business-Class-Kabine für den Betrieb zertifiziert war, da die behördliche Zulassung durch die Federal Aviation Administration (FAA) längere Zeit in Anspruch nahm. Die FAA hat die meisten Sitze erst im Februar zertifiziert, wenngleich drei der 28 Sitze in diesen Flugzeugen aufgrund laufender behördlicher Überprüfungen weiterhin nicht von Passagieren genutzt werden dürfen. Quelle: Lufthansa – Fraport – FAA – CM – Video: Reddit