Jetzt trifft der China-Abschwung auch BMW

Der Gewinn von BMW ist im ersten Halbjahr um rund 35 %  eingebrochen. Grund ist vor allem das China-Geschäft, woe die deutschen Hersteller, unter ihnen auch BMW, ihre Verbrenner nicht mehr loswerden. Die chinesischen Kunden setzen inzwischen nur noch auf batterieelektrische Modelle, und nur solche, die von eigenen Autobauern stammen. Zudem muss BMW wie die anderen deutschen Hersteller seine Autos zu Preisen anbieten, die die ruinös sind. 

In den USA und Europa sind die Verkaufszahlen aber leicht gestiegen. Nun gab das Management bekannt, dass 8.000 der 84.000 Jobs in Deutschland dem Rotstift zum Opfer fallen sollen. 

Das schlechte China-Geschäft vermiest auch BMW die Laune. Foto: BMW

Dr. Milan Nedeljković, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG und Nachfolger von Oliver Zipse, meint, In den vergangenen Wochen sei zu sehen gewesen, wie schnell sich das Geschäftsumfeld verändern kann. Die Zahlen des ersten und zweiten Quartals 2026 seien nicht zufriedenstellend.

Nedeljković : „Die rasante Verschlechterung der Marktlage in China war der Hauptgrund, unsere Prognose im Juni anzupassen. Zudem drängen neue Wettbewerber in verschiedene Märkte im asiatisch-pazifischen Raum, in Lateinamerika und in Europa vor. Diese Marktdynamiken waren jedoch nur ein Aspekt der grundlegenden Veränderungen in unserer Branche.

In nur etwas mehr als einem Jahr haben sich zahlreiche weitere Faktoren überlagert und unser Geschäftsumfeld signifikant beeinflusst, darunter:

  • Gegenwind durch die Trump-Zölle, Handelsbarrieren und Wechselkurse;
  • verschärfte regulatorische Anforderungen, insbesondere in Europa; und
  • die Auswirkungen des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten.

Kurzfristig beschleunigen wir die bereits laufenden Kostensenkungen, wobei wir uns auf Struktur- und Effizienzmaßnahmen konzentrieren, die zu einer nachhaltigen Senkung unserer Fixkosten führen. Die Auswirkungen werden ab 2027 sichtbar sein und eine neue Ausgangsbasis für unsere künftigen strategischen und operativen Maßnahmen bilden.

Wir werden uns schlanker aufstellen, um schneller und effizienter zu werden. Wir haben in den Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat sehr schnell Fortschritte gemacht und eine Einigung über ein Personalstrukturprogramm erzielt. Die Vereinbarung umfasst ein freiwilliges Aufhebungsprogramm für indirekte Funktionen in Deutschland. 

Angesichts des fortlaufenden Wandels unserer Branche bereiten wir uns parallel auf die vor uns liegenden Herausforderungen vor – indem wir sowohl unsere Strukturen als auch unsere Prozesse an die neuen Gegebenheiten anpassen. Um sicherzustellen, dass wir für die Umsetzung der erforderlichen Veränderungen mittelfristig gut aufgestellt sind, haben wir die gesamte Wertschöpfungskette analysiert und bereits damit begonnen, in vier Schlüsselbereichen interne Maßnahmen zu ergreifen:

  • Auf der Kundenseite: Unser Fokus liegt auf der weiteren Umsetzung eines neuen Vertriebsmodells in Europa, das einen Umdenkprozess vom Wholesaler zum Retailer erfordert. Gleichzeitig optimieren wir alle Kontaktpunkte mit den Kunden in unserem Kundenökosystem und nutzen die uns zur Verfügung stehenden Daten, um zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten zu erschließen.
  • Auf organisatorischer Ebene: Ein verstärkter Einsatz von KI, um Prozesse weiter zu automatisieren und schneller zu machen, sowie auch die Entscheidungsfindung im gesamten Unternehmen zu beschleunigen.
  • In den Bereichen Lieferanten und Einkauf: Wir untersuchen die globale Verteilung unserer Wertschöpfung und identifizieren Möglichkeiten, unseren „Local-for-Local“-Ansatz auszuweiten.
  • Und im Bereich Entwicklung liegt unser Fokus darauf, die Entwicklungsgeschwindigkeit durch verstärkte Standardisierung und die Nutzung gemeinsamer technischer Lösungen und Komponenten zu steigern.

In all diesen Bereichen gehen wir bedeutende Schritte und erhöhen das Tempo. So überprüfen wir beispielsweise erneut, welche Technologien, Modellvarianten und Antriebsstränge wir in Zukunft benötigen. Zudem richten wir unseren Ansatz noch konsequenter auf die einzelnen Märkte und deren spezifische Anforderungen an unsere Produkte und Antriebsvarianten aus. Darüber hinaus prüfen wir, wo neue Partnerschaften für uns wirtschaftlich und technologisch sinnvoll sein können.

Auch wenn wir derzeit mit starkem Gegenwind zu kämpfen haben, verfügen wir über ein solides Fundament, auf dem wir aufbauen können. So haben wir im zweiten Quartal eine starke Entwicklung in Europa und den USA verzeichnet, die die Entwicklungen in China und im Asien-Pazifik-Raum teilweise ausgleichen konnte. 

Wir werden zudem auf den wesentlichen Veränderungen im Unternehmen aufbauen, die wir bereits in den vergangenen Jahren angestoßen haben. Das gilt insbesondere für die erheblichen Investitionen in unsere Neue Klasse, die Konsolidierung des Händlernetzes in China und nicht zuletzt die Kosteneinsparungen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro, die wir im Jahr 2025 erzielt haben.

Mit Blick auf die Zukunft geben uns unser starkes Portfolio an Premium-Produkten und -Technologien, unser technologieoffener Ansatz und unser globaler Footprint eine strategische Orientierung, um das aktuelle Marktumfeld erfolgreich zu meistern.

Die Markteinführung der NEUE KLASSE ist mittlerweile in vollem Gange. Der BMW iX3 verzeichnet weiterhin eine starke Dynamik: wir sind auf dem besten Weg, den nächsten wichtigen Meilenstein von 100.000 Bestellungen zu erreichen.

Um dieser starken Nachfrage gerecht zu werden, haben wir im Werk Debrecen vorzeitig eine zweite Schicht eingeführt. Auch bei der BMW i3 Launch Edition, deren Vorbestellungen wir bereits im Juni früher als geplant gestartet haben, verzeichnen wir eine starke Nachfrage. Vor wenigen Wochen haben wir zudem die Weltpremiere des neuen X5 in der fünften Generation gefeiert. 

Die Bedürfnisse und Erwartungen der Kunden variieren stark von Markt zu Markt – und sogar innerhalb einzelner Märkte. Unsere Verkaufszahlen im zweiten Quartal spiegeln diese Realität und die Stärke unseres technologieoffenen Ansatzes wider.

In Europa wurden unsere Verkaufszahlen durch das Wachstum bei den BEVs gestützt, das im zweiten Quartal um mehr als ein Drittel stieg. In den USA sorgten die Verkäufe von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor im zweiten Quartal für ein zweistelliges Wachstum, während die Nachfrage nach BEVs auf dem Gesamtmarkt zurückging.

Wir wissen, dass der vor uns liegenden Weg harte Arbeit erfordert. Und wir wissen, dass wir das Unternehmen wieder auf einen soliden, nachhaltigen Kurs hin zu der Premium-Profitabilität bringen können, zu der es fähig ist. Wir beabsichtigen, bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts wieder in unseren strategischen EBIT-Margenkorridor von 8–10 % zurückzukehren.“

BMW-Finanzchef Walter Mertl spricht von Ergebnissen des zweiten Quartals 2026, die die herausfordernden Marktbedingungen widerspiegeln, mit denen die BMW Group derzeit konfrontiert ist. Im Laufe des Quartals gingen sowohl der gesamte chinesische Automobilmarkt als auch die Auslieferungen der BMW Group an Kunden in China weiter zurück. Gleichzeitig führten höhere Exportvolumina aus China (BYD & Co.) zu einer zunehmenden Wettbewerbsintensität in anderen Märkten. Dies hatte insbesondere Auswirkungen auf unser Geschäft in der Region Asien-Pazifik. Zusammen mit den Auswirkungen des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten belasteten diese Entwicklungen sowohl den Absatz als auch die finanzielle Performance. Während die Auslieferungen der BMW Group in Europa um 7,6 % und in den USA um 11,9 % zunahmen, konnten sie den Rückgang in China und der Region Asien-Pazifik nicht ausgleichen.

Der Konzernumsatz belief sich im zweiten Quartal auf 31,3 Mrd. Euro und in den ersten sechs Monaten des Jahres auf 62,3 Mrd. Euro. Das Konzernergebnis vor Steuern lag bei 1,7 Mrd. Euro und damit 35 % unter dem Vorjahresquartal. Per Juni ging das Konzernergebnis vor Steuern gegenüber dem Vorjahr um 29,4 % auf rund 4 Mrd. Euro zurück. Daraus ergibt sich eine EBT-Marge im Konzern von 5,4 % im zweiten Quartal und 6,5 & im ersten Halbjahr.

Im zweiten Quartal lieferte die BMW Group rund 591.000 Fahrzeuge der Marken BMW, MINI und Rolls-Royce an Kunden aus. Dies entspricht einem Rückgang von 4,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Marke BMW setzte im zweiten Quartal rund 509.000 Fahrzeuge ab. Dies entspricht einem Rückgang von 7,7 % gegenüber dem Vorjahresquartal.

Die Auslieferungen der Marke MINI stiegen gegenüber dem Vorjahresquartal um 17,1 %, gestützt insbesondere durch die starke Nachfrage nach den vollelektrischen MINI Modellen.

Zwischen April und Juni lieferte die BMW Group weltweit rund 117.000 vollelektrische Fahrzeuge an Kunden aus. Unter Einbeziehung der Plug-in-Hybride belief sich der Absatz elektrifizierter Fahrzeuge auf rund 163.000 Einheiten.

Dies entspricht einem BEV-Anteil von 19,8 % sowie einem Anteil elektrifizierter Fahrzeuge von 27,6 % an den gesamten Auslieferungen der BMW Group im zweiten Quartal. Europa bleibt der wichtigste Wachstumstreiber für udie BEV. Gestützt durch den Verkaufsstart des neuen iX3 stieg der BEV-Absatz in Europa gegenüber dem Vorjahr um 38 % auf mehr als 81.000 Einheiten. Damit war nahezu jedes dritte in Europa ausgelieferte Fahrzeug vollelektrisch.

Absatzentwicklung. In Europa, BMW’s größte Absatzregion, stiegen die Auslieferungen gegenüber dem Vorjahr um 7,6 %. In der Region Americas erhöhten sich die Auslieferungen um 9,4 %, maßgeblich getrieben durch die USA, wo die Verkäufe um 11,9 % zulegten. In China verschärfte sich der Abschwung auf dem Automobilmarkt im zweiten Quartal weiter, insbesondere im Bereich der Verbrenner.In diesem äußerst wettbewerbsintensiven Umfeld im Reich der Mitte gingen die Auslieferungen der BMW Group an Kunden zwischen April und Juni um 30,2 % zurück.

Finanzdienstleistungen.Im ersten Halbjahr stieg die Zahl der mit Endkunden abgeschlossenen Neuverträge um 5 % auf 866.000 Verträge. Die Penetrationsrate für Leasing und Kreditfinanzierung erhöhte sich in den ersten sechs Monaten auf 52,9 %. Quelle: BMW

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