Fahrradhelme sind heute nicht nur Kopfschutz, sondern auch Lifestyle-Accessoire. In einem Test des Technikmagazins Chip gab es bei acht untersuchten Helmen zwei eindeutiger Sieger: ABUS und UVEX. Wert legten die Tester auf Komfort, Bedienung und Ausstattung sowie Alltagstauglichkeit.
Eine gesetzliche Helmpflicht für Radfahrer wird immer wieder diskutiert. Insofern die ADAC-Empfehlung: Der Fahrradhelm ist ein Muss. Denn er kann das Risiko schwerer Kopfverletzungen verringern.
2025 registrierte das statistische Bundesamt 97.493 Verunglückte bei Fahrradunfällen. 68.482 von ihnen waren dabei auf einem nicht motorisierten Fahrrad, 29.011 Menschen auf einem E-Bike unterwegs gewesen. 462 Personen kamen ums Leben (+3,8 % gegenüber 2024), davon 245 auf einem „normalen“ Fahrrad und 217 auf dem Pedelec. Seit Jahren bleibt die Zahl der tödlich Verunglückten im Radverkehr auf hohem Niveau und folgt damit nicht dem allgemein positiven Trend in der Unfallstatistik. Schuld an den Unfällen sind aber meist Pkw-/Lkw-Fahrer, die zu wenig Rücksicht nehmen. Der Anteil der tödlich Verunglückten im Radverkehr beträgt bei den E-Bike-Nutzern mittlerweile 47 %. Welchen Anteil Kopfverletzungenan diesen Zahlen haben, ist nicht bekannt, weil die amtliche Statistik bei einem Fahrradunfall nicht unterscheidet, welche Körperregion betroffen ist.
2025 trugen über alle Altersgruppen hinweg nur 37 % der Radfahrer einen Schutzhelm. Dabei war die Quote bei Pedelec-Fahrenden mit 54,9 % deutlich höher als bei konventionellen Radfahrerinnen und -fahrern (28,9 %). Am höchsten – 71,8 % – war sie 2025 bei Kindern im Alter von sechs bis zehn Jahren. Mit 20,1 % liegt die Gruppe der 17- bis 21-Jährigen in der Statistik ganz hinten. Diese von der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen für den Innerortsbereich erhobenen Quoten zeigen, dass es noch viel Aufklärungsbedarf über die schützende Wirkung eines Fahrradhelms gibt.
Sieger ABUS. Im Chip-Test für Fahrradhelme ist der Abus Urban-I 4.0 Testsieger mit einer hervorragenden Note 1,3 („sehr gut“). Er ist laut Hersteller für Frauen, Männer und Kinder gleichermaßen geeignet. Die üppige Auswahl an Größen und Farben unterstreicht, dass Abus hier scheinbar eine große Zielgruppe ansprechen möchte. Das spiegelt sich ebenso im Preis wider, der mit ca. 70 € sehr preiswert ist. Begeisternd ist vor allem der Fidlock-Verschluss. Er funktioniert magnetisch und schnappt automatisch zu, wenn die beiden Enden nah genug aneinanderliegen. Der Helm lässt sich so mit einer Hand schließen. Magnetische Verschlüsse stellen zudem sicher, dass man sich nicht versehentlich ein Stück Haut am Hals einklemmen kann. Das bringt dem Helm mit 1,8 die beste Note in der Kategorie Handhabung ein. Der 341 g leichte Helm sitzt sehr gut und umschließt den Kopf ohne Lücken und Spielräume, bietet aber einen ausreichenden Luftstrom selbst bei langsamer Fahrt, eine gute Feuchtigkeitsaufnahme und ein freies Sichtfeld. Auf der Ausstattungsliste steht auch ein Rücklicht. Es lässt sich einfach entfernen, da es magnetisch in seiner Fassung liegt. Zudem kann man es mit einem USB-C-Ladekabel aufladen. Zusätzlich zum Rücklicht gibt es auch noch einen Reflektor und ein Insektenschutznetz. Allerdings vermisst man das Multi-Directional Impact Protection System, kurz MIPS, in Form einer beweglichen Innenschale. Sie schützt den Helmträger bei einem Sturz mit Schrägaufprall in Folge einer Rotationsbewegung bestmöglich vor Kopf- und Hirnschäden. Dieses Feature haben drei Helme im Testfeld, darunter die Testsieger-Alternative von Uvex.


Zweiter Sieger UVEX. Der Uvex i-vo 2 MIPS zählt mit 309 Gramm zu den leichtesten Helmen im Testfeld, ist der Vize-Sieger mit einer sehr guten Note 1,5 und kostet mit zirka 100 Euro einen Tick mehr als der Testsieger. Er fällt durch sein interessantes Design auf: Der wählbare Farbverlauf macht den Fahrradhelm zu einem Hingucker. Den ragekomfort bewerten die Tester mit einer glatten 1,0 („sehr gut“). 25 Belüftungsschlitze sorgen beim Praxistest für eine effektive Luftzirkulation. Das Sichtfeld bleibt frei, der Schulterblick klappt ungehindert. Den Uvex i-vo 2 MIPS gibt es nur in zwei Größen, wobei der maximale Kopfumfang 60 cm betragen darf. Für einen durchschnittlichen Männerkopf reicht das noch, für etwas größere Menschen könnte es knapp werden. Die Handhabungs-Prüfung schließt der Helm mit der Note 2,3 („gut“) ab. Das liegt in erster Linie an seiner Einstellbarkeit. Kopfumfang, Kinnriemen und Gurtverteiler lassen sich zwar verändern, der jeweilige Prozess müsste aber geschmeidiger laufen. Die Testperson konnte beispielsweise das Drehrad am Hinterkopf nicht von oben greifen, da es zu nah an der Helmschale sitzt. Anderes Beispiel: Der Verschluss vom Gurtverteiler benötigt viel Kraft, um einzurasten. Dabei gibt er stark nach. Uvex verzichtet beim Helm leider komplett auf Reflektoren und ein Rücklicht. Immerhin lässt sich ein Licht für rund 20 Euro nachrüsten. Quelle: ADAC / Chip / CM