Im Auto und im Flugzeug sind Sicherheitsgurte selbstverständlich. Auf der Schiene nicht. Auch die Bahnunternehmen, die Hochgeschwindigkeitszüge betreiben, verzichten darauf. Die beiden jüngsten Unglücke mit Highspeedtrains in Spanien, bei denen es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben hat, werfen die Frage auf.
Im Auto ist der Sicherheitsgurt Pflicht. Auch im Flugzeug müssen sich Passagiere bei Start und Landung anschnallen. Im Zug dagegen sitzen die Reisenden völlig ungesichert. Selbst bei Tempo 300 km/ oder mehr.
Dabei können auch Züge abrupt bremsen, entgleisen oder zusammenstoßen, wie die tragischen Unfälle auf der iberischen Halbinsel gezeigt haben. Weshalb verzichtet die Bahn also auf Sicherheitsgurte? Die Antwort darauf ist vielschichtig.
Sicherheitsgurte würden Zugreisen nicht zwingend sicherer machen, so Bahnexperten.. Im Gegenteil. Bei bestimmten Unfällen könnten sie das Verletzungsrisiko sogar erhöhen. Das zeigen Untersuchungen zur Sicherheit im Bahnverkehr. Der wichtigste Unterschied zum Auto liegt in der Physik. Züge sind enorm schwer. Bei einem Zusammenprall mit einem kleineren Hindernis verlieren sie deshalb meist deutlich langsamer an Geschwindigkeit als ein Auto. Zudem fahren sie auf einem festen Gleisnetz, bei dem es ein kurzfristiges „Ausweichen“ nicht geben kann. Freilich sind Frontalzusammenstöße dank moderner Sicherungssysteme äußerst selten.
Bei schweren Zugunglücken sieht die Sache allerdings anders aus. Entgleist ein Zug, kann er kippen, sich drehen oder gegen Hindernisse prallen –siehe der ICE-Unfall von Eschede vom 03. Juni 1998. Damals ereignete sich das schwerste Eisenbahnunglück in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. 101 Menschen starben in den Trümmern des Zuges, 88 Menschen werden schwer verletz – Dabei wirken Kräfte aus verschiedenen Richtungen. Ein Sicherheitsgurt könnte Passagiere dann in einer ungünstigen Position festhalten. Ohne Gurt können sie sich zwar ebenfalls schwer verletzen. Doch ein Gurt bietet bei solchen Unfällen nicht automatisch besseren Schutz.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Nach einem Unfall müssen Reisende den Zug möglichst rasch verlassen können. Sicherheitsgurte könnten die Flucht erschweren, besonders bei Rauch oder Feuer. Deshalb setzen Bahnbetreiber auf andere Vorkehrungen. Moderne Züge haben stabile Wagenkästen, spezielle Knautschzonen und möglichst sichere Innenräume. Sitze, Tische und andere Einbauten sollen das Verletzungsrisiko bei einem Aufprall senken.
Und noch etwas spricht gegen Gurte: In Zügen dürfen Reisende aufstehen, zur Toilette gehen oder im Speisewagen essen. Viele Fahrgäste stehen sogar während der ganzen Fahrt. Der fehlende Sicherheitsgurt ist deshalb kein Versäumnis. Er gehört zu einem Sicherheitskonzept, das sich grundlegend von jenem im Auto oder Flugzeug unterscheidet. P.S.: Die Bahn ist mit großem Abstand weltweit das sicherste Verkehrsmittel. Quelle: CM / Travelnews