Türkische Behörden haben einem von dem LGBTQ+-Reiseunternehmen Atlantis Events gecharterten Kreuzfahrtschiff von Virgin Voyages die Anlandung in Kuşadası und Istanbul unter Berufung auf „moralische Standards“ und „familiäre Werte“ verweigert. Das Schiff, das überwiegend US-amerikanische LGBTQ+-Passagiere beförderte, sollte am 5. Juli von Athen aus starten und einen Zwischenstopp in der Türkei einlegen. Der Reiseplan wurde nun geändert und beinhaltet stattdessen Ägypten und Kreta.
Die Behörden der türkischen Provinz Aydın gaben bekannt, dass der Zwischenstopp in Kuşadası abgesagt wurde, da die gecharterte Gruppe mit Verhaltensweisen in Verbindung gebracht werde, die mit der türkischen Gesellschaftsstruktur und deren moralischen Werten „unvereinbar“ seien. Rich Campbell, CEO von Atlantis Events, bezeichnete die Entscheidung als beispiellos in der 36-jährigen Geschichte des Unternehmens und erklärte, das Schiff sei „aufgrund unserer Identität“ abgelehnt worden.

Der Fall birgt eine bittere Ironie: Viele LGBTQ+-Reisende aus den USA sehen Europa angesichts einer Welle von LGBTQ+-feindlichen Gesetzen in US-Bundesstaaten, von denen viele von Republikanern geführt werden, zunehmend als sicherere und inklusivere Alternative. Die ACLU und das Movement Advancement Project haben Hunderte von Gesetzesentwürfen auf Ebene der Bundesstaaten verfolgt, die die Rechte von LGBTQ+-Personen im Jahr 2026 einschränken. Reiseexperten berichten zudem, dass einige LGBTQ+-Amerikaner Europareisen nicht nur für den Urlaub nutzen, sondern auch, um einen möglichen Umzug dorthin zu erkunden.
Die türkische Entscheidung ist nicht beispiellos. 1998 verweigerte Grand Cayman einer Atlantis-Kreuzfahrt für Homosexuelle die Einreise mit der Begründung, die Passagiere könnten sich nicht „angemessen verhalten“. Im Jahr 2000 verhinderte die türkische Polizei, dass homosexuelle Touristen Kuşadası und Ephesus besuchten, woraufhin sich der türkische Tourismusminister Berichten zufolge entschuldigte.
Die türkische Maßnahme reiht sich in ein weltweit verbreitetes Muster von LGBTQ+-Beschränkungen ein, die als Verteidigung von Tradition, Moral oder Familie gerechtfertigt werden. Uganda bleibt eines der deutlichsten Beispiele: Das 2023 verabschiedete Anti-Homosexualitätsgesetz sieht lebenslange Haft für gleichgeschlechtliche Handlungen und die Todesstrafe für „schwere Homosexualität“ vor. Human Rights Watch warnt zudem, dass LGBTQ+-Personen weiterhin einem hohen Risiko willkürlicher Verhaftungen, Erpressung und Misshandlungen ausgesetzt sind. Auch in Russland werden Homosexuelle verfolgt wie auch in den meisten asiatischen Ländern.
Anders Westeuropa: Die Region zählt laut der LGBTQ-Reiserisikokarte 2026 weiterhin zu den sichersten Regionen für LGBTQ+-Reisende. Länder wie Malta, Island, Spanien, Deutschland und die Niederlande gehören zu den gastfreundlichsten Reisezielen. Zu den jüngsten Fortschritten zählen die Ehe für alle in Thailand und Liechtenstein, die erste gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft in Litauen sowie Fortschritte bei der Entkriminalisierung in Ländern wie Botswana und St. Lucia. Quelle: eTurbo News / CM