Der Kanadier Ben Smith, seines Zeichens Chef von Air-France-KLM, ist offen für Zusammenarbeit mit der US-Investmentfirma Castlelake in Sachen Übernahme des britischen Billigfliegers EasyJet. Angesichts der Auswirkungen, die der starke Anstieg der Ölpreise in den letzten Monaten auf den Aktienkurs von EasyJet hatte, könnte der Zeitpunkt für Castlelake kaum günstiger sein.
Am Rande der Jahreshauptversammlung des Weltluftfahrtverbands IATA in Brasilien stellte Ben Smith klar, dass die Air-France-KLM-Gruppe zwar derzeit keine aktiven Gespräche führe, er aber „absolut“ bereit wäre, einen Anruf von Castlelake (ein weltweit tätiges Unternehmen für alternative Investments mit einem verwalteten Vermögen von rund 38 Milliarden US-Dollar, Hauptsitz Minneapolis)) bezüglich eines möglichen gemeinsamen Angebots zur Übernahme von EasyJet entgegenzunehmen.
Die US-Investmentfirma Castlelake hatte Ende Mai 2026 erstmals ihr Interesse an einer Übernahme von EasyJet bekundet und mitgeteilt, man befinde sich in einem frühen Stadium der Prüfung eines möglichen Angebots für die Fluggesellschaft – auch wenn man zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal an den Verwaltungsrat von EasyJet herangetreten war. Castlelake hält derzeit EasyJet-Anteile im Umfang von rund 2,14 % des Unternehmens. Sollte die Firma ein Übernahmeangebot für EasyJet unterbreiten, müsste sie mindestens 403,23 Pence pro Aktie bieten.
Der Verwaltungsrat von EasyJet reagierte auf die Nachricht mit der Erklärung, man sei zur „Maximierung des Aktionärswerts“ verpflichtet und werde jeden Vorschlag prüfen; zugleich äußerte das Gremium jedoch Bedenken hinsichtlich des „opportunistischen“ Zeitpunkts des Vorstoßes von Castlelake sowie der erheblichen regulatorischen Hürden, die es zu überwinden gälte.
Das Interesse der Amerikaner an EasyJet ist ziemlich offensichtlich: Das Unternehmen ist auf den Erwerb von Vermögenswerten spezialisiert, und EasyJet ist derzeit weniger wert als die Summe der Einzelwerte der Flugzeuge, Triebwerke und sonstigen Vermögensgegenstände, die sich im Besitz der Lowcost-Airline befinden.
Aufgrund der europäischen Wettbewerbsvorschriften kann Castlelake jedoch keine Mehrheitsbeteiligung an EasyJet erwerben, da das Unternehmen seinen Sitz außerhalb der EU hat. Stattdessen müsste Castlelake einen Partner mit Sitz in Europa finden, wie etwa die Air France-KLM-Gruppe. Die hat bereits bei der Übernahme von SAS Scandinavian Airlines mit Castlelake zusammengearbeitet. Castlelake hatte zunächst einen Anteil von 32 % an SAS erworben und diesen später an Air France-KLM veräußert.
Die französisch-niederländische Gruppe gilt derzeit als Spitzenkandidat bei der Übernahme von TAP Air Portugal und betreibt bereits die Billigflugmarke Transavia. Dass sich die Geschäftstätigkeit von Air France-KLM nicht mit den Märkten überschneidet, in denen EasyJet eine marktbeherrschende Stellung innehat – insbesondere in Großbritannien –, könnte das Unternehmen jedoch zu einem potenziellen Interessenten für die in Luton ansässige Fluggesellschaft machen.
Hingegen dürften die Wettbewerbsbehörden kaum eine gemeinsame Übernahme durch Castlelake und die IAG (Muttergesellschaft von British Airways) rechtfertigen können; eine solche Transaktion würde der in Madrid ansässigen Airline-Gruppe eine marktbeherrschende Stellung in Schlüsselmärkten wie London-Gatwick verschaffen.
Ryanair-Chef Michael O’Leary hat eine Übernahme einer Fluggesellschaftsmarke bereits ausgeschlossen, wenngleich er Interesse daran bekundet hat, Vermögenswerte von Airlines zu erwerben, die infolge hoher Treibstoffpreise in die Insolvenz geraten. Quelle: Castlelake / Air Franxce-KLM / CM
Gut möglich, dass EasyJet unter den Fittichen von Air France-KLM landet. Foto: zicS