Modernes Bahnfunknetz erst in den 2030er Jahren

Nach einem missglückten vermutlich fehlerhaften Software-Update des veralteten digitalen Bahn-Funknetzes in Deutschland rollte am späten Dienstag Abend zwei Stunden lang kein Rad auf dem Schienennetz. Betroffen waren Personen- und Güterverkehr. Für Millionen Bahnreisende, unter ihnen auch Geschäftsreisende, stand das Leben plötzlich still. 

Schuld war eine Störung im digitalen Bahnfunk GSM-R (GSM-R steht für „Global System for Mobile Communications – Railway“.). Es ist ein Mobilfunknetz, das ausschließlich dem Bahnbetrieb dient und Mitte der 2000er-Jahre die alten analogen Zugfunksysteme ablöste. Technisch basiert es auf dem GSM-Standard – also auf 2G-Mobilfunk aus den 1990er-Jahren, angepasst an die Anforderungen der Eisenbahn. In Deutschland nutzt GSM-R die Frequenzbereiche um 876 bis 880 MHz (für Senden) und 921 bis 925 MHz (für Empfangen), also unmittelbar unterhalb des öffentlichen 900-MHz-

Mobilfunkbands. Über GSM-R sprechen LokführerInnen, Fahrdienstleiter und Stellwerke miteinander. Lokführer müssen jederzeit für die Leitstelle erreichbar sein – für Notrufe, Fahrterlaubnisse oder die schnelle Sperrung eines Gleises. Fällt das Netz aus, werden die Züge angehalten. 

Das Netz überträgt Sprache, Not- und Gruppenrufe, aber auch Daten für moderne Zugsicherung wie das European Train Control System (ETCS). In Deutschland deckt es rund 30.000 Streckenkilometer ab und wird zentral von der DB InfraGO betrieben.

Unglücklicherweise hat das GSM-R-Netz auch eine externe Schwachstelle: Es ist nämlich auch von außen verwundbar durch Sabotage-Akte, wie sie schon mehrfach passiert sind.  So durchtrennten im Oktober 2022 unbekannte Geistige Tiefflieger Glasfaserkabel in Berlin und Herne, die zum GSM-R-Netz gehörten. Folge: Drei Stunden lang stand der Verkehr in Norddeutschland still.

Nachfolge-System erst Mitte der 2030er Jahre. Adie Bahn arbeitet bereits an einem Nachfolgesystem. Das „Future Railway Mobile Communication System (FRMCS) baut auf 5G auf, ist IP-basiert und gilt als deutlich leistungsfähiger und sicherer als der 2G-Vorgänger. Die Deutsche Bahn will es schrittweise zwischen 2026 und 2035 einführen; abgeschaltet werden soll GSM-R erst um 2035, beide Systeme laufen dann eine Zeit lang parallel. Bis dahin bleibt das alte Netz das Nervensystem der Bahn – und damit zugleich eine ihrer größten Schwachstellen. Quelle: DB / BR / CM

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