Bahnchefin Evelyn Palla hat angekündigt, die Generalsanierungen zeitlich zu strecken. Statt bisher vier solle es nur noch zwei bis drei Korridorsanierungen im Jahr geben. Bislang war vorgesehen, die wichtigsten Schienenkorridore bis 2036 zu sanieren – diese Zielmarke wäre dann nicht mehr zu halten.
Die umfangreichen Korridorsanierungen der Deutschen Bahn werden voraussichtlich deutlich länger dauern als zunächst vorgesehen. Bahn-Chefin Evelyn Palla kündigte am Donnerstag an, dass das Sanierungskonzept derzeit überarbeitet wird und die Zahl der Korridore, die pro Jahr in Angriff genommen werden, reduziert werden soll.
Nach Angaben Pallas läuft die Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium noch, sie soll aber demnächst abgeschlossen werden. Einen konkreten Zeitraum für das überarbeitete Sanierungsprogramm nannte die Bahn-Chefin zunächst nicht. Klar ist jedoch, dass das bisherige Vorgehen mit zahlreichen parallel laufenden Großbaustellen auf mehreren Strecken überprüft und neu geordnet wird.

Ursprünglich sollten die Projekte im Rahmen der Korridorsanierungen zu Beginn des nächsten Jahrzehnts abgeschlossen sein. Inzwischen war das Tempo bereits verlangsamt worden, sodass zuletzt eine Fertigstellung bis Mitte der 2030er-Jahre als Ziel genannt wurde. Mit der nun angekündigten Überarbeitung des Konzepts zeichnet sich ab, dass zentrale Modernisierungsarbeiten am Schienennetz noch länger dauern könnten.
Dazu Christiane Rohleder, Bundesvorsitzende des ökologischen Verkehrsclubs VCD: „ Eine Verzögerung der Korridorsanierungen wäre das völlig falsche Signal. An allen Ecken und Enden zeigt sich, wie marode das Schienennetz ist. Das Bahnnetz muss wie vorgesehen bis Mitte 2036 vollständig saniert werden. Schon dieser Zeitplan verlangt den Fahrgästen viel Geduld ab. Die Menschen wollen endlich wieder pünktlich mit der Bahn unterwegs sein.
Das extreme Niedrigwasser im Sommer hat gezeigt, wie wichtig ein leistungsfähiges Schienennetz für den Güterverkehr ist. Werden die Sanierungen weiter verschoben, bleiben Störungen an Signalen, Weichen und anderen Anlagen noch länger Alltag – mit immer neuen Verspätungen für die Bahnreisenden und Problemen für den Gütertransport. So lässt sich der Sanierungsstau nicht auflösen.
Deutschland hat bei der Bahnsanierung großen Nachholbedarf. Länder wie die Schweiz und Österreich haben ihre Netze längst auf Vordermann gebracht. Nun sind die Korridorsanierungen gestartet und die Bahnindustrie beginnt, ihre Kapazitäten dafür aufzustocken. Wenn der Bund jetzt wieder eine Rolle rückwärts macht, führt das zu Umplanungen, bindet personelle Ressourcen, verursacht Mehrkosten und erhöht das Risiko von Planungsfehlern. Der Bund muss deshalb dringend die erforderlichen Mittel bereitstellen, damit weiterhin vier Korridore pro Jahr saniert werden können.
Diverse Probleme bei den Generalsanierungen resultieren bisher aus mangelnder oder zu später Finanzierungsfreigabe durch den Bund – das wird sich auch bei weniger Sanierungen pro Jahr nicht ändern. Der Hauptgrund für die Verlangsamung ist, dass der Bund auf dem Rücken von Fahrgästen und Verladern bei den Sanierungen sparen will.
Nach einer Sanierung muss auch die Qualität stimmen. In diesem Punkt sind sich der ökologische Verkehrsclub VCD und Bundesverkehrsminister Bilger einig. Das darf aber nicht dazu führen, dass das Tempo bei den Sanierungen gedrosselt wird. Ursprünglich sollten die Sanierungen bis 2032 abgeschlossen werden. Schon die Verschiebung auf 2036 war eine deutliche Verlängerung – weitere Verzögerungen sind nicht vertretbar.
Dass die Bahn mit ihrem Schienennetz große Probleme bekommen würde, zeichnete sich seit Langem ab. Denn die früheren Bundesverkehrsminister, meist von CDU und CSU, waren allesamt unfähige Politiker, die dem Auto den Vorzug gaben und die Schiene wissentlich, teils wohl auch mit Absicht und Dummheit vernachlässigt haben. Auch die meisten Bahnchefs waren ihren Aufgaben alles andere als gewachsen. Quelle: DB / VCD / CM