Ein Boeing 787-9 Dreamliner von Vietnam Airlines schoss am Samstag, 15. August beim Start am Flughafen München 120 Meter über das Pistenende hinaus. Die Piloten verhinderten in letzter Sekunde eine Luftfahrtkatastrophe
Der zehn Jahre alte Dreamliner von Vietnam Airlines (Registrierung VN-A867) mit bis zu 274 Passagieren an Bord sollte als Flug VN34 zu seinem zehnstündigen Routineflug von München (MUC) nach Hanoi (HAN) fliegen. Aus noch ungeklärter Ursache schoss der Widebody beim Startversuch gegen 13:57 Uhr mit Tempo 300 km/h 120 Meter über das Ende der Nordbahn 26L hinaus; dabei prallte der Langstreckenjet mit dem Hauptfahrwerk gegen die Befeuerungsanlagen der Piste, wobei die Reifen des linken Hauptfahrwerks zerfetzt wurden. Die Piloten konnten den schweren Vogel gerade noch in die Luft bringen. Offensichtlich hatte es im Cockpit Probleme bei Rotate-Prozedere gegeben.

Video: https://www.youtube.com/shorts/ZdrBiuwrmTo
Die beiden Start- und Landepisten des MUC sind mit 4.000 Meter Länge nach weltweiten Maßstäben lang genug für Großraumflugzeuge. Dies ist von Bedeutung, da die Piloten offenbar große Schwierigkeiten hatten, die Maschine in die Luft zu bringen. Von Planespottern am Flughafen aufgenommene Videos zeigten, wie der voll betankte Jet über die Startbahn raste. An dem Punkt, an dem man das Abheben erwartet hätte, beschleunigte die Maschine stattdessen weiter auf der Bahn. Die B 787-9 setzte diesen Vorgang über die gesamte Länge der Startbahn fort und schoss den Beobachtern zufolge noch 120 Meter über das Bahnende hinaus – wobei Erde und Staub aufgewirbelt wurden –, bevor es schließlich abhob; dabei flog die Maschine so tief, dass die Reifen die Anflugbefeuerung streiften, welche die Landeschwelle markiert.
Die Piloten hatten bereits bemerkt, dass ein ernstes Problem vorlag, und teilten der Flugsicherung mit, dass sie zum Flughafen zurückkehren müssten. Aufgrund der für den Langstreckenflug nach Vietnam betankten Treibstoffmenge musste der Passagierjet jedoch zunächst 90 Minuten lang in einer Warteschleife kreisen, um einen Teil des überschüssigen Treibstoffs abzulassen und das Gewicht für eine sicherere Landung zu reduzieren.
Die Piloten landeten das Flugzeug jedoch nicht unmittelbar nach dem Ablassen des überschüssigen Treibstoffs. Zunächst führten sie zwei Tiefflüge über die Start- und Landebahn 26R durch – vermutlich, damit der Kontrollturm begutachten konnte, welche Schäden an der Unterseite des Flugzeugs entstanden waren.
Beim dritten Anflug setzte die Maschine auf, wobei Rauch und Trümmerteile am linken Hauptfahrwerk zu sehen waren, da die Reifen völlig zerfetzt worden waren. Das Flugzeug kam auf der Bahn zum Stillstand und blieb dort manövrierunfähig liegen. Zwischenzeitlich war die Flughafen-Feuerwehr für den Fall der Fälle ausgerückt.
Die Fluglotsen sperrten die Nordbahn nach dem brenzligen Vorfall. Und auch die Südbahn wurde nach dem beinahe missglückten ungewöhnlichen Start vorübergehend geschlossen, so die Flughafenverwaltung FMG. Die Bundesstelle für Flugungalluntersuchung (BFU) in Branschweig aber auch der Hersteller Boeing sind in die Ermittlungen der Ursache eingeschaltet. Quelle: FMG / BFU / CM