Nicholas Marangos und Stephen Brown, die für die Ämter des Präsidenten bzw. des geschäftsführenden Vizepräsidenten der Fluglotsengewerkschaft NATCA (National Air Traffic Controllers Association) kandidieren, erklärten empört: „Wenn der US-Verkehrsminister offensichtlich falsche Behauptungen über unseren Berufsstand, unsere Mitglieder oder den Zustand des nationalen Luftraums in die Welt streut, können wir nicht tatenlos zusehen und darauf hoffen, dass sich die Wahrheit von selbst durchsetzt. Das wird sie nicht.“
Die beiden Beschwerdeführer weisen die Behauptungen von US-Verkehrsminister Sean Duffy scharf zurück, wonach eine hohe Zahl von Krankmeldungen unter dem Personal zu tagelangen Verspätungen und Störungen im Nordosten geführt habe. Sie bezeichneten die Anschuldigungen gegen die überlasteten und unterbesetzten Mitarbeitenden – die für die Überwachung des weltweit geschäftigsten und komplexesten Luftraums zuständig sind – als „falsch“.

Obwohl heftiges Sommerwetter die Hauptursache für viele Verspätungen und Flugausfälle im Nordosten war, schrieb Duffy am Samstag, 08. August 2026 auf X: „Alle Reisenden, die in den Nordosten fliegen oder von dort starten, sollten sich auf Verspätungen und Ausfälle einstellen, da es zusätzlich zu den schwierigen Wetterbedingungen zu Krankmeldungen beim Fluglotsenpersonal kommt.“ Und der Verkehrsminister weiter:„Wenn sich in mehreren Einrichtungen der Region New York etwa 40 bis 60 % der Fluglotsen krankmelden, müssen wir Flüge verspäten, um die Sicherheit des Luftraums zu gewährleisten.“
Am Sonntag warnte die US-Luftfahrtbehörde FAA, dass der „eingeschränkte Betrieb“ im Nordosten fortgesetzt werde; die Behörde wies darauf hin, dass im New Yorker Kontrollzentrum für den Streckenflugverkehr (Air Route Traffic Control Center) sowie in einer wichtigen Flugverkehrskontrollzentrale in Philadelphia sogenannte Personal-Schwellenwerte ausgelöst worden seien.
„Die Vereinigten Staaten verfügen über den geschäftigsten und komplexesten Luftraum der Welt. Doch laut Verkehrsministerium gerät das gesamte System ins Wanken, wenn sich nur eine Handvoll Fluglotsen krankmeldet. Und irgendwie … soll das die Schuld der Fluglotsen sein?“, fragten Marangos und Brown in ihrer schonungslosen Stellungnahme. „Nein. Das ist das Ergebnis von mehr als 30 Jahren chronischer Unterbesetzung, verfehlter Personalplanung und Führungsentscheidungen, die keinerlei Spielraum gelassen haben“, hieß es in der Erklärung weiter.
Duffy hat natürlich betont, dass unter der Regierung Trump große Anstrengungen unternommen werden, um mehr Fluglotsen einzustellen und den chronischen Personalmangel zu beheben. Marangos und Brown scheinen davon jedoch nicht überzeugt zu sein. „Fluglotsen leisten seit Jahrzehnten obligatorische Überstunden, arbeiten in Sechs-Tage-Wochen und im Wechselschichtdienst – an Feiertagen, nachts, am Wochenende, kurzum: rund um die Uhr“, fügten sie hinzu.
„Man versucht, Fluglotsen dafür an den Pranger zu stellen, dass sie ihre vertraglich zugesicherten Krankheitstage in Anspruch nehmen. Fluglotsen, die seit Jahren in einigen der am stärksten frequentierten Lufträume der Welt arbeiten – und das 60 Stunden pro Woche.“
„All dies geschieht, nachdem die FAA kürzlich ihre eigenen Zielvorgaben für die Personalstärke bei den Fluglotsen um mehr als 2.000 Stellen gesenkt hat – eine Entscheidung, die lediglich die Definition von ‚vollständiger Besetzung‘ herabsetzt, anstatt die Personalnotlage selbst zu beheben.“
Als hingegen ein technischer Ausfall die Flugverkehrskontrollzentrale in Minneapolis dazu zwang, den Status „ATC Zero“ auszurufen (was faktisch einer Sperrung des Luftraums gleichkam), gab es – wie Marangos und Brown anmerken – keinerlei vergleichbare Stellungnahme von Vertretern der Behördenleitung.
Die Gewerkschaft NATCA hat sich bislang weitgehend zurückgehalten, was die Behauptungen der Behördenleitung zu angeblichen Krankheitswellen und zur Personalsituation betrifft. Offiziell gilt dies nach wie vor. Quelle: NATVA / CNN / CM