Wenn Geschäftsreisende auf der Insel Sylt zu tun haben, nehmen sie in der Regel den Zug nach Westerland. Der eine oder andere nutzt das Flugzeug, aber das klappt nicht ganzjährig. Mit der Bahn geht es über den landläufig so bezeichneten Hindenburgdamm. Doch diese Bezeichnung ist umstritten und wird nun ganz offiziell geändert. Aus dem Hindenburgdamm wird der Syltdamm.
Dass sich die Bezeichnung „Hindenburgdamm“ in den Sprachgebrauch eingebürgert hat, rührt wahrscheinlich aus der Gegebenheit, dass der damalige Reichspräsident Paul Hindenburg bei der Eröffnung des Damms 1927 anwesend war. Und der damalige Reichsbahn-Chef Julius Dorpmüller in seiner Rede Hindenburg huldigte und befand: Auf dessen Namen „wollen wir“ den neuen Damm taufen – „er heiße „Hindenburgdamm““.
Der Syltdamm (vormals Hindenburgdamm) ist der Eisenbahndamm im Zuge der Marschbahn, der die nordfriesische Insel Sylt an das Festland anbindet. Der Damm wurde am 01. Juni 1927 nach einer Bauzeit von vier Jahren eröffnet und dient ausschließlich dem Schienenverkehr. Er ist Bestandteil der Marschbahn von Elmshorn nach Westerland. Ursprünglich eingleisig erbaut und später zunächst mit einer Ausweichstelle versehen, ist der Damm seit 1972 durchgängig zweigleisig ausgebaut. Der Damm ist insgesamt 11,3 km lang.
Die Situation vor dem Dammbau. Nach Ende des Deutsch-Dänischen Kriegs 1864 gehörten Sylt und Westerland zum neuen Kreis Tondern. Das Seebad Westerland gewann zunehmend an Bedeutung. Die Marschbahn führte 1887 bereits von Altona über Husum und Niebüll nach Tondern. Von dort aus erhielt sie eine Zweigstrecke bis zumUmschlahghafen Hoyersschleuse, von dem aus Raddampfer zum Sylter Hafen Munkmarsch verkehrten, um den wachsenden Verkehr nach Sylt zu bedienen. Die Verbindung war tidenabhängig, und im Winter schob sich gelegentlich das Eis im Wattenmeer zu einer unüberwindlichen Barriere zusammen. So dauerte die Überfahrt rund sechs Stunden, bei widrigen Witterungs- und Strömungsbedingungen auch länger. Die zunehmende Bedeutung Westerlands als Seebad führte schließlich 1910 zur Aufnahme der amtlichen Planungen, 1914 begannen Bauvorbereitungen, die aber durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurden.
Mit mehreren Unterbrechungen infolge Sturmfluten war es erst 1926 geschafft, die Bahngleise durchgängig fertigzustellen. Bahnhofsgebäude und die Zufahrtswege waren auch fast fertig. Der Damm wurde nach dem damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg benannt, der die Eisenbahnverbindung am 10. Juni 1927 eröffnete und als einer der ersten Passagiere im Eröffnungszug vom Festlandbahnhof Klanxbüll nach Westerland auf Sylt fuhr. Beim anschließenden Frühstück im Kurhaus von Westerland taufte Julius Dorpmüller, der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Gesellschaft, den Damm auf den Namen Hindenburgdamm.
Seit dem Zweiten Weltkrieg stand der Name Hindenburgdamm immer wieder in der Kritik, da Hindenburg als Wegbereiter Adolf Hitlers gesehen wird. Es gab zahlreiche Initiativen, eine andere Bezeichnung für den Damm zu finden. Vorschläge wie „Sylt-Damm“, „Friedens-Damm“ und „Nordfriesland-Damm“ konnten sich bis Juni 2026 nicht durchsetzen. Im Juni 2026 beschloss die Gemeinde Sylt schließlich, die Bahnverbindung zur Insel künftig als „Syltdamm“ zu bezeichnen.
Ab 1932 wurden auch Kraftfahrzeuge mit dem Zug nach Sylt befördert. Nach DRG und Bundesbahn ist seit der Bahnreform 1994 die Deutsche Bahn für den Autoverladeverkehr zuständig. Im Personenfernverkehr nutzen vor allem Urlauber den Hindenburgdamm zur Fahrt nach Sylt. Mehrmals täglich verkehren Intercity-a-Züge über den Damm. Regionalzüge der DB fahren etwa im Stundentakt; sie dienen u.a. der Beförderung von Pendlern aus dem Bereich Niebüll. Zum Kleinen Fahrplanwechsel 2026 werden die nagelneuen ICE L )im Bild) eingesetzt. Quelle: CM, Foto: DB
