USA: Nachfrage nach Geschäftsreisen nimmt zu, aber…

Branchenkennzahlen und Aussagen von Anbietern zeichnen in den letzten Monaten das Bild einer Erholung der US-Geschäftsreisenachfrage in diesem Jahr, nachdem die Reisetätigkeit 2025 größtenteils stagniert hatte. Hohe Preise und geopolitische Unsicherheit haben viele Unternehmen veranlasst, die Nachfrage weiterhin zu dämpfen. So halten sie an einigen Vorabprüfungen fest, beschränken bestimmte Reisearten und schließen bestimmte Reiseziele aus, wie Mobiliätsmanager  berichten.

Anbieter in den USA und Europa meldeten für das erste Quartal 2026 ein unterschiedlich starkes Geschäftsreiseaufkommen, insbesondere in der zweiten Quartalshälfte, das durch Preiserhöhungen infolge der kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten offensichtlich nicht allzusehr beeinträchtigt wurde. Zum Ende des zweiten Quartals gab es vonseiten der Anbieter keinerlei Anzeichen für eine Abschwächung. Im Gegenteil: American Express Global Business Travel, das sich offenbar in der Endphase seiner Börsennotierung befindet, meldete in einer am 8. Juni 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Meldung ein Wachstum der Kundentransaktionen von 6 % im Vergleich zum Vorjahresquartal, nach 3 % im ersten Quartal. Der gemeldete Gesamttransaktionswert des Reisemanagementunternehmens stieg im zweiten Quartal währungsbereinigt um 15 % gegenüber dem Vorjahr, verglichen mit 9 % im ersten Quartal. 

Die Diskrepanz zwischen dem Wachstum der Transaktionen und des Gesamttransaktionswerts verdeutlicht die steigenden Reisekosten im Jahr 2026. Gleichzeitig stieg die Anzahl der von Reisebüros (mit mindestens 70 % selbstberichteten Firmen- und Regierungsgeschäften) verkauften und von der Airlines Reporting Corp. abgerechneten Dienstreisen im Februar, März und April gegenüber dem Vorjahr, nachdem sie in 11 von 13 Monaten gesunken war, obwohl die durchschnittlichen Flugpreise ein Vierjahreshoch erreicht hatten.

Starke Entwicklung der Hotellerie. Am beeindruckendsten war wohl die Entwicklung der US-Hotels, die 2026 ihr stärkstes nachhaltiges Wachstum seit zwei Jahren verzeichneten. Nach neun Monaten in Folge mit rückläufigen Werten im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz pro verfügbarem Zimmer (RevPAR) in den USA in den ersten fünf Monaten des Jahres 2026 gegenüber dem Vorjahresniveau, wie der Immobiliendatenanbieter CoStar, Muttergesellschaft des Hotelanalyseunternehmens STR, mitteilte. Geschäftsreisen waren in den letzten Wochen der Motor für die Leistungssteigerungen der US-Hotels. Der RevPAR von Wochentagen bis Donnerstag, eine Kennzahl, die als Indikator für Geschäftsreisen gilt, machte von Mitte Mai bis Mitte Juni 97 % des gesamten RevPAR-Wachstums aus, wie STR in einer Studie berichtete.

„Die jüngsten Zuwächse bei der Zimmernachfrage deuten auch auf eine anhaltende Erholung der Geschäftsreisen für US-Hotels hin“, so STR. Das Unternehmen merkte an, dass in der Woche bis zum 06. Juni – vor Beginn der FIFA-Weltmeisterschaft in den USA – der RevPAR (Umsatz pro verfügbarem Zimmer) an Wochentagen im Vergleich zum Vorjahr um 7,2 % stieg, am Wochenende jedoch um 1,7 % zurückging.

„Diese zunehmende Divergenz unterstreicht, dass die jüngsten Nachfragesteigerungen primär auf Geschäfts- und Gruppenreisen und weniger auf Freizeitreisen zurückzuführen sind“, so STR. „Dieser Trend wird durch die gestiegene Gruppennachfrage in Luxus- und gehobenen Hotels in der vergangenen Woche gestützt, die auf eine stärkere Konferenzaktivität zurückzuführen ist.“

Der Anstieg der Hotelnachfrage in den USA unter der Woche ist ein wichtiger Beleg für die Erholung des Geschäftsreiseverkehrs, so Ryan Meliker, Präsident und Mitbegründer von Lodging Analytics Research & Consulting (LARC).

„Die Nachfrage nach Kurzzeitbuchungen unter der Woche war im Januar noch schwach. Im Februar erholte sie sich leicht und beschleunigte sich dann im März und April deutlich“, sagte Meliker. „Generell war der Geschäftsreiseverkehr stark und blieb recht hoch, mit einem RevPAR-Anstieg von 4 bis 5 %.“ LARC hatte im vergangenen Jahr in seinen US-Hotelprognosen eine anhaltende Schwäche der Geschäftsreisenachfrage festgestellt, doch laut Meliker hat die Nachfrage bis 2026 die Prognosen übertroffen, und die Hotels reagieren darauf. „Die ersten fünf Monate des Jahres waren deutlich stärker als erwartet, insbesondere im Vergleich zum Vorjahr“, sagte Meliker. „Die Preise verbessern sich. Die Hotels agieren bei der Preisgestaltung aggressiver.“

Meliker vermutete, dass viele US-Unternehmen, von denen einige seit Anfang 2025 in einer Warteschleife der Reisenachfrage verharren, einfach beschlossen haben, jegliche makroökonomische Unsicherheit als gegeben hinzunehmen und mit den Aktivitäten fortzufahren, die ihr Geschäft zum Wachstum benötigt.

Unternehmen stumpfen in Sachen Trump ab. „Irgendwann im ersten Quartal begannen die Unternehmen angesichts der vielen Unsicherheiten aus Washington, D.C., etwas abzustumpfen – sei es in Bezug auf Zölle, den Krieg mit dem Iran oder die Inflation“, sagte Meliker. „Nach einem Jahr voller Unsicherheit sahen die Unternehmen ihre Aktienkurse auf Rekordhochs, steigende Unternehmensgewinne und Pläne für umfangreiche Investitionen in KI-Infrastruktur und sagten: Wir müssen Umsätze generieren. Und das führt zu einer höheren kurzfristigen Nachfrage von Unternehmen.“

Wird dieser Trend anhalten? Wahrscheinlich zumindest bis zum Sommer, sagte Meliker. „Ich weiß nicht, ob er das ganze Jahr über anhält. Wir würden sagen, bis September und möglicherweise bis in den Oktober hinein“, sagte er. „Ich denke, die Zwischenwahlen Anfang November werden ein weiterer wichtiger Faktor sein. Erfahrungsgemäß beobachten wir im Umfeld von Zwischenwahlen eine leichte Korrektur.“

Aufschwung im Firmenkundengeschäft. Barbara Barnard, CEO von World Travel Inc. (WTI), die am 01. Januar 2026 die Leitung des in Exton (Pennsylvania) ansässigen Reisebüros übernahm, berichtete ebenfalls von einem Aufschwung im Firmenkundengeschäft. „Die Nachfrage ist weiterhin stark“, sagte sie. „Wir verzeichnen sogar eine höhere Nachfrage als im Vorjahr.“ Der überwiegend mittelständische Firmenkundenstamm von WTI sei breit gefächert, erklärte Barnard, und reiche von Pharmaunternehmen über Technologieunternehmen bis hin zu Profisportmannschaften. Sie betonte jedoch, dass der Rückgang im letzten Jahr „nicht flächendeckend“ gewesen sei, wodurch das Reisebüro „die Besonderheiten, die bestimmte Kundengruppen betreffen, etwas besser abfedern konnte“.

Dennoch erklärte sie, dass die Kunden, die ihre Reisen für 2025 reduzierten, dies größtenteils informell taten, ohne strenge Vorgaben des Managements oder formelle Änderungen der Reiserichtlinien. Einige Kunden behalten naturgemäß weiterhin Reisebeschränkungen für den Nahen Osten bei. Insgesamt hätten sich die Reduzierungen jedoch weitgehend abgeschwächt und die Nachfrage sei gestiegen. Sie merkte jedoch an, dass Nachfrage und Reisebeschränkungen nur einen Teil der Aufmerksamkeit heutiger Travel Manager ausmachen. Veränderungen im Vertrieb von Fluggesellschaften und Hotels, Reiseplattformen und die Auswirkungen von KI erforderten ebenfalls Berücksichtigung.

„All diese Dinge sind selbst für erfahrene und anspruchsvolle Einkäufer schwer zu erfassen“, betonte Barnard. „Diese Komplexität ist etwas, worauf wir uns weiterhin konzentrieren.“

Tracie Carillo, Senior Vice President für globalen Vertrieb und Marketing bei TMC Travel Inc. (Duluth, Georgia) erklärte, die Nachfrage von Unternehmen habe sich bisher im Jahr 2026 trotz des Krieges und gestiegener Preise als relativ stabil erwiesen. „In den ersten sechs Monaten des Jahres beobachten wir im Jahresvergleich einen recht einheitlichen Trend: weder einen starken Anstieg noch einen starken Rückgang“, sagte Carillo. „Das liegt vor allem daran, dass Unternehmen erkannt haben, wie wichtig persönliche Kontakte sind und welchen Nutzen sie daraus ziehen. Ihre Buchungszahlen entsprechen daher weitgehend den Erwartungen.“ Eine Ausnahme von diesem Trend gebe es jedoch, so Carillo, und das seien internationale Geschäftsreisen. Diese seien bei einigen Unternehmen aufgrund steigender Flugpreise zurückgegangen. (Laut dem Reisedaten- und Analyseunternehmen OAG stiegen die internationalen Flugpreise im Mai im Jahresvergleich um fast 22 %.)

„Einen leichten Unterschied, den wir beobachten – und das ist zu erwarten –, sehen wir in den weniger gebuchten internationalen Tickets aufgrund der höheren Preise“, so Carillo weiter. Sie merkte an, dass die höheren Preise Inlandsreisen in den USA kaum beeinträchtigt hätten. „Der Nutzen der internationalen Reisen wird indes genauer unter die Lupe genommen: ‚Sind sie wirklich notwendig? Sind sie angemessen? Sind sie das Richtige für unser Unternehmen?‘“

Während Carillo, ähnlich wie Meliker, aufgrund natürlicher Konjunkturzyklen mit einer allgemeinen Nachfrageabschwächung im vierten Quartal rechnete, warnte sie davor, dass der Nahostkonflikt die internationale Nachfrage zusätzlich belasten könnte. „Ich sehe darin deine Unsicherheit“, sagte sie. Andrew Menkes, Gründer und CEO von Partnership Travel Consulting, erklärte hingegen, er sehe die aktuelle Nachfrage nicht wesentlich höher als im Vorjahr und vermutete, dass ein Teil der Nachfrage ins dritte Quartal verschoben worden sei. „Sie ist geringer als im letzten Jahr“, sagte Menkes mit Blick auf die Nachfrage nach Geschäftsreisen und nannte mehrere Gründe: politische Unsicherheit, ein schwächeres Vertrauen in US-Reisen in Europa, die jüngste Hitzewelle in Europa und Unternehmen, die nicht unbedingt notwendige Reisen eher verschieben als komplett absagen. „Reisen, die früher als nicht unbedingt notwendig galten, werden derzeit gar nicht angetreten“, sagte er. „Sie werden bis zum Herbst warten. …

Menkes warnte davor, dass viele Unternehmen, die formelle oder informelle Beschränkungen für insbesondere nicht umsatzgenerierende Geschäftsreisen, einschließlich Konferenzteilnahmen, eingeführt haben, diese 2026 nicht aufheben wollen. Steigende Flugpreise und der Nahostkonflikt könnten sogar noch mehr Unternehmen dazu bewegen, solche Beschränkungen einzuführen. In diesem Zusammenhang prognostizierten 28 % der 261 Reiseeinkäufer, die im April von der Global Business Travel Association befragt wurden, einen Rückgang des Geschäftsreisevolumens ihrer Organisation im Vergleich zum Vorjahr für 2026. Gleichzeitig sagten im April 30 %, dass solche Reisen zunehmen würden, gegenüber 35 Prozent im Januar.

Analyse weiterer Daten. Andere Kennzahlen, die häufig als Indikatoren für Geschäftsreisen gelten, zeichnen ein uneinheitliches Bild. ·  Die prognostizierten US-Bruttoinlandsprodukte für das zweite Quartal deuten auf ein solides Wirtschaftswachstum hin. Die Federal Reserve Bank of New York prognostizierte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung ein Wachstum von 2,7 % gegenüber dem Vorjahr, die Federal Reserve Bank of Atlanta von 2,5 %. ·   Die Federal Reserve Bank of Chicago schätzte die US-Arbeitslosenquote für Juni auf 4,33 %. Dies entspricht einem leichten Anstieg gegenüber den 4,30 % im Mai und deutet auf einen stabilen Arbeitsmarkt hin. · Laut vorläufigen Daten der US International Trade Administration stieg die Gesamtzahl der internationalen Besucher in die USA, die mit einem Geschäftsvisum oder im Rahmen des Visa Waiver Program einreisten (ohne Kanada und Mexiko), im Mai um 1,4 % gegenüber dem Vorjahr. Demgegenüber stand ein Rückgang aller internationalen Besucher in die USA um 6,5 % im Mai (ebenfalls ohne Kanada und Mexiko). Die Zahl der Reisenden, die im Mai mit Geschäftsvisa aus Mexiko in die USA einreisten und dabei nicht auf dem Landweg einreisten, stieg im Vergleich zum Vorjahr um 9 %.

Kanadier meiden die USA. Der Reiseverkehr aus Kanada in die USA bleibt weiterhin gering. Damit setzt sich ein anhaltender Trend fort, wonach immer mehr Kanadier Reisen in ihren südlichen Nachbarn meiden. Laut Statistics Canada, einer kanadischen Bundesbehörde, gingen die Rückflüge kanadischer Staatsbürger aus den USA im Mai im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 5 % und im Vergleich zum Mai 2024 um 28 %  zurück. Gleichzeitig stiegen die Rückflüge aus anderen Ländern im Vergleich zum Mai 2025 um 3 %. Quelle: BTN / GBTA / CM

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