Der Tourismus kann weiter wachsen, aber auch schrumpfen

Krieg mit dem Iran, unterbrochene Flugrouten, Waldbrände, Überschwemmungen und extreme Hitze stellen den globalen Tourismus vor große Herausforderungen. Ein neuer Bericht von TOURISE und Oxford Economics besagt, dass sich Reiseziele auf dauerhafte Beeinträchtigungen einstellen müssen. 

Ein neuer Bericht von TOURISE und Oxford Economics rückt die Widerstandsfähigkeit des Tourismus wieder in den globalen Fokus, und zwar zu einer Zeit, in der Kriege mit dem Iran, unterbrochene Flugrouten, extreme Hitze, Waldbrände und Überschwemmungen Reiseziele weltweit auf die Probe stellen. 

Die Welt wird nicht zurückgesetzt. Das ist die Botschaft eines neuen globalen Berichts zur Resilienz des Tourismus, der von TOURISE in Zusammenarbeit mit Oxford Economics veröffentlicht wurde. Für alle, die im Jahr 2026 im Tourismus arbeiten, klingt diese Aussage weniger nach einer akademischen Schlussfolgerung, sondern eher nach alltäglicher Realität. Krieg und geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran und dem Nahen Osten beeinträchtigen den Luftraum, Fluggesellschaften, Treibstoffpreise und das Vertrauen der Reisenden. Extreme Hitze und Waldbrände bedrohen beliebten Urlaubsregionen Europas und Nordamerikas. Überschwemmungen und Starkregen haben den Verkehr in Asien lahmgelegt. Dürre beeinträchtigt die Wasserversorgung, Flüsse und die touristische Infrastruktur. Doch die Touristen reisen, ohne sich irgendwelche Gedanken um ihr klimaschädliches Verhalten zu machen, weiterhin. Flughäfen bleiben überfüllt, ständig eröffnen neue Hotels, Reiseziele verzeichnen weiterhin Besucherrekorde, und Regierungen von Saudi-Arabien bis Jamaika sehen den Tourismus als strategische Säule der wirtschaftlichen Entwicklung.

85 Krisen und eine wichtige Schlussfolgerung. Der neue TOURISE-Oxford Economics-Bericht, „Resilienz in einer Welt ohne Neustart: Tourismus neu gestalten für eine Ära permanenter Umbrüche“ wurde am 17. August 2026 veröffentlicht. Laut der im Bericht präsentierten Studie wurden 85 größere Krisen über einen Zeitraum von etwa zwei Jahrzehnten untersucht. Eine Schlussfolgerung sticht besonders hervor. Reiseziele, die sich vor dem Auftreten von Störungen vorbereiten, können sich erholen. Die durchschnittlichen Erholungszeiten im Tourismus haben sich Berichten zufolge von etwa 24 Monaten Anfang der 2000er Jahre auf etwa 10 bis 12 Monate heute verkürzt. Das sind gute und schlechte Nachrichten zugleich.

  • Die gute Nachricht ist, dass sich der Tourismus bemerkenswert gut erholt hat.
  • Die schlechte Nachricht ist, dass die nächste Krise kommen könnte, bevor die Erholung von der vorherigen vollständig abgeschlossen ist.

Drei Worte, die sich jeder Tourismusminister merken sollte. TOURISE reduziert die Herausforderung der Resilienz auf drei Faktoren: Vertrauen. Vernetzung. Bezahlbarkeit.

Es klingt einfach. Ist es aber nicht.

  • Ein Reiseziel mag vollkommen sicher sein, aber wenn Fernsehbildschirme und soziale Medien potenzielle Besucher vom Gegenteil überzeugen, kann der Tourismus zusammenbrechen.
  • Ein Reiseziel mag zwar sicher und attraktiv sein, aber wenn Fluggesellschaften es nicht wirtschaftlich erreichen können, werden die Touristen woanders hingehen.
  • Ein Reiseziel mag zwar sicher und gut angebunden sein, aber wenn die Flugpreise plötzlich steigen, weil Flugzeuge längere Routen um Konfliktgebiete herum fliegen müssen, der Treibstoff teurer wird oder die Versicherungskosten steigen, kann die Nachfrage sinken. Hier wird die aktuelle Situation im Nahen Osten, insbesondere in den VAE mit Dubai oder Abu Dhabi, um nur zwei zu nennen, zu einem nahezu perfekten Fallbeispiel.

Wenn Konflikte den Iran, den Irak oder den Luftraum benachbarter Länder betreffen, enden die Folgen für den Tourismus nicht an den Landesgrenzen. Denken wir nur an die Golfregion hat sich zu einem der wichtigsten Luftverkehrsknotenpunkte der Welt entwickelt hat. Dubai, Doha und Abu Dhabi sind nicht einfach nur Flughäfen für die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar. Sie sind globale Drehkreuze, die Europa, Asien, Afrika, Australien und Amerika miteinander verbinden. Laut einer Studie von TOURISE und Oxford Economics wickelten die Drehkreuze am Golf bis zum Ausbruch des USA/Iran-Kriegs etwa 14 % des weltweiten Transitverkehrs ab. In den letzten Monaten und Wochen aber hat man erlebt, dass die militärische Auseinandersetzung im Nahen Osten Auswirkungen auf einen deutschen Touristen hat, der nach Thailand fliegen will, auf einen Australier, der nach Europa reisen möchte, einen indischen Geschäftsreisenden, der nach Afrika reisen will oder einen Amerikaner, der weiter nach Asien fliegen möchtet. Das Reiseziel selbst mag nichts mit dem Konflikt zu tun haben. Seine Anbindung hingegen schon. Das ist die neue Geografie des Tourismusrisikos.

Der Tourismus kann wachsen – aber auch schrumpfen. Der TOURISE-Bericht nutzt die aktuelle geopolitische Situation, um verschiedene Möglichkeiten zu modellieren. Wenn die relative Stabilität anhält, deutet das positivere Szenario darauf hin, dass der weltweite Reiseverkehr im Jahr 2026 noch um etwa 6 % zunehmen könnte. Niemand – weder Oxford Economics noch TOURISE, WTTC, UN Tourism oder irgendein Tourismusminister – weiß genau, wie sich ein Krieg entwickeln wird. Doch Szenarioplanung selbst ist Teil der Resilienz. Die Tourismusbranche war traditionell hervorragend darin, die Ankünfte des Vortages zu zählen. Sie muss nun ebenso gut darin werden, sich auf die Überraschungen von morgen vorzubereiten.

Die Resilienz des Tourismus ist auch auf die Agenda der Vereinten Nationen gelangt. Der 17. Februar wird von den Vereinten Nationen als Stichtag anerkannt. Globaler Tourismus-ResilienztagDies wurde vom jamaikanischen Tourismusminister Edmund Bartlett ins Leben gerufen, der gleichzeitig auch Gründer des Global Tourism Resilience and Crisis Management Center ist.

Das führt zu einem weiteren Spieler, der nicht vergessen werden sollte.

Das Wetter liest keine Tourismusbroschüren. Während geopolitische Krisen die Fernsehbildschirme beherrschen, entwickelt sich im Stillen eine andere Tourismuskrise: Waldbrände, Dürre, Überschwemmungen und extreme Hitze beeinträchtigen Reiseziele zunehmend genau in den Jahreszeiten, in denen sie die Tourismusbranche in den zurück liegenden Jahren den größten Teil ihres Umsatzes erzielt. Europa liefert ein besonders beunruhigendes Beispiel. Der Tourismus im Mittelmeerraum hat sich um den Sommer herum entwickelt. Doch der Sommer wird nun zur Jahreszeit mit extremer Hitze, Dürre und Waldbrandgefahr. Touristen, die aus ihren Urlaubsgebieten evakuiert wurden, unterscheiden nicht zwischen Klimapolitik und Tourismuspolitik. Für sie ist es schlichtweg ein ruinierter Urlaub.

Für Reiseziele in Europas Süden sind die Auswirkungen jedoch enorm:

  • Hotels benötigen eine zuverlässige Stromversorgung zur Kühlung.
  • Tourismusgemeinden benötigen ausreichend Wasser für Einwohner und Besucher.
  • Straßen und Flughäfen müssen auch bei extremen Temperaturen funktionsfähig sein.
  • Die Rettungsdienste benötigen Kapazitäten für Touristen, die möglicherweise die Landessprache nicht sprechen oder Evakuierungsanweisungen nicht verstehen.
  • Reiseunternehmen benötigen verlässliche Informationen.
  • Die Versicherer müssen bereit sein, das Risiko zu übernehmen, was sie aberimmer weniger tun werden. 
  • Der Tourismusminister kann die Anpassung an den Klimawandel nicht länger vollständig dem Umweltminister überlassen.

Könnte der europäische Sommertourismus verlagert werden? Eine weitere Frage dürfte den Verantwortlichen im Mittelmeerraum Unbehagen bereiten. Was passiert, wenn sich Touristen während ihrer Reisen verändern? 

  • Urlauber, die bisher im Sommer nach Griechenland, Spanien, Italien oder in die Türkei gereist ist, könnte künftig feststellen, dass es sinnvoller und vor allem gesünder ist, nordeuropäische Reiseziele könnten anzusteuern. .
  • Bergdestinationen müssen angesichts der immer größer werdenden Gefahren durch Steinschläge ihr Angebot verändern.
  • Die Reiserouten der Kreuzfahrten können sich ändern.
  • Die Reiseveranstalter müssen sich auf eine sich ändernde Nachfrage einstellen u.v.a.m..

Resilienz bedeutet also nicht einfach nur den Wiederaufbau nach einem Waldbrand. Es geht vielmehr darum, die Tourismuswirtschaft anzupassen, bevor sich das Konsumverhalten dauerhaft ändert.

Der Tourismus bricht weiterhin Rekorde. Hier liegt der Widerspruch. Trotz Krieg, Inflation, Naturkatastrophen, politischer Instabilität und Klimaveränderungen bleibt der globale Tourismus außerordentlich stark.

  • Die UN-Tourismusorganisation schätzte etwa 1.52 Milliarden internationale Touristenankünfte im Jahr 2025, das sind gut 4 % mehr als 2024.
  • WTTC geschätzt, dass der Tourismussektor etwa 11.6 Billionen US-Dollar zur Weltwirtschaft in 2025 beigetragen und rund 366 Millionen Jobs ermöglicht hat.

Die internationalen Ankünfte stiegen im ersten Quartal 2026 weiter an. Die Menschen wollen reisen. Diese grundlegende Nachfrage erweist sich als bemerkenswert stabil. Doch globales Wachstum kann enorme regionale Verwerfungen verschleiern.

  • Wenn Touristen ein Reiseziel meiden, kann ein anderes davon profitieren.
  • Wenn eine Fluggesellschaft Strecken streicht, kann eine andere Fluggesellschaft Marktanteile gewinnen.
  • Wenn extreme Hitze Reisen in den Mittelmeerraum unattraktiv macht, könnten kühlere Reiseziele mehr Besucher anziehen.
  • Wenn die Visabeschaffung schwierig wird, wählen Reisende ein anderes Land.

Die globale Tourismuswirtschaft kann daher wachsen, während einzelne Reiseziele darunter leiden.

Saudi-Arabien testet seine eigene Theorie. Saudi-Arabien selbst bietet einen interessanten Test für das Argument der Resilienz. Das Königreich verzeichnete trotz regionaler geopolitischer Unsicherheit weiterhin starke Tourismuszahlen. Dies ist von Bedeutung, da saudische Tourismusinvestitionen in einer Region stattfinden, in der geopolitische Risiken nicht außer Acht gelassen werden können. Saudi-Arabiens Antwort darauf ist im Wesentlichen eine Diversifizierung in großem Umfang.

  • Es baut die Kapazitäten im Luftverkehr aus.
  • Das Unternehmen entwickelt mehrere Tourismusziele.
  • Es baut den Unterhaltungs-, Kultur-, Religions-, Küsten- und Luxustourismus aus.
  • Es öffnet sich international.

Mit Initiativen wie TOURISE versucht man, die globale Diskussion über Tourismusentwicklung zu beeinflussen. Ob all diese Investitionen die erwarteten Erträge bringen, wird sich erst über Jahrzehnte und nicht erst nach Monaten zeigen. Doch die Strategie verdeutlicht die zentrale These von TOURISE: Resilienz muss vor der Krise geplant werden.

Die Tourismusbranche liebt neue Begriffe. Es besteht jedoch eine Gefahr. Der Tourismus besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit, wichtige Konzepte in Marketingsprache zu verwandeln.

  • Nachhaltiger Tourismus.
  • Regenerativer Tourismus.
  • Intelligenter Tourismus.
  • Transformationstourismus.
  • Inklusiver Tourismus.
  • Und nun der widerstandsfähige Tourismus.

Wenn jeder behauptet, resilient zu sein, verliert das Wort letztendlich seine Bedeutung. Deshalb ist die vollständige Methodik der neuen Studie von TOURISE und Oxford Economics so wichtig.

Der logische nächste Schritt wäre ein glaubwürdiger internationaler Tourismus-Resilienzindex. Man stelle sich vor, Reiseziele nicht nur anhand von Ankünften und Einnahmen zu bewerten, sondern auch anhand folgender Kriterien:

  • Flugverbindungen und alternative Routen;
  • Diversifizierung der Quellmärkte;
  • Wasser- und Energiesicherheit;
  • Witterungseinflüsse;
  • Kapazität des Gesundheitssystems;
  • Notfallkommunikation;
  • Versicherungsverfügbarkeit;
  • digitale Resilienz;
  • Reaktionsfähigkeit der Regierung;
  • Schutz der Beschäftigten im Tourismus;
  • Finanzreserven;
  • und die Geschwindigkeit der Erholung von früheren Krisen.

Eine solche Rangliste könnte unangenehm sein. Sie könnte aber auch äußerst nützlich sein. 

  • Die Investoren würden aufmerksam werden.
  • Die Fluggesellschaften würden aufmerksam sein.
  • Die Reiseveranstalter würden darauf achten.
  • Regierungen würden das mit Sicherheit tun.

Und vielleicht werden auch Touristen irgendwann darauf aufmerksam.

Die nächste Tourismus-Supermacht könnte die am besten vorbereitete sein. Jahrelang wurde der Erfolg im Tourismus mit Zahlen in Verbindung gebracht.

  • Wer empfängt 100 Millionen Besucher?
  • Welcher Flughafen hat den verkehrsreichsten der Welt?
  • Wer baut das größte Resort?
  • Wer erhält die meisten Investitionen im Tourismusbereich?

Die neue Ära erfordert möglicherweise eine andere Messlatte. Wer kann den Betrieb aufrechterhalten, wenn etwas schiefgeht? Quelle: TOURISE: / CM

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