Versorgung Europas mit Kerosin ist in schlechtem Zustand 

Da der brüchige Waffenstillstand mit dem Iran offiziell zwar beendet ist, die Kämpfe um den Zugang zur Straße von Hormus aber durch laufende Raketenangriffe der iranischen Revolutionsgarden und der Reaktion der USA andauern, deuten aktuelle Analysen darauf hin, dass das Risiko eines Versorgungsengpasses bei Flugkraftstoff in Europa weitaus akuter ist, als bisher angenommen wurde. Die schwierige Lage wirkt sich auch auf die Flugpreise und damit negativ auf die Geschäftsreise-Branche aus.

Vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar bezogen Europa und das Vereinigte Königreich den Großteil ihres Flugkraftstoffs aus dem Nahen Osten – vornehmlich aus Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Lieferungen erfolgten über monatelange Transportwege, die mit der Passage durch die Straße von Hormus begannen.

Zunächst war die Versorgung mit Flugkraftstoff nicht gefährdet, da sich noch zahlreiche Tanker auf dem Weg nach Europa befanden, die die Straße von Hormus bereits vor Ausbruch des Konflikts passiert hatten. Daraufhin orientierte sich Europa hinsichtlich zusätzlicher Kraftstofflieferungen in Richtung der USA und Kanadas.

Das eigentliche Problem für viele Fluggesellschaften war nicht die physische Verfügbarkeit von Kerosin, sondern der drastische Anstieg der Beschaffungskosten – insbesondere für jene Airlines, die ihren Kerosinbedarf nicht durch Absicherungsgeschäfte („Hedging“) geschützt hatten (bei denen ein fester Preis vereinbart wird, unabhängig von Schwankungen des Großhandelspreises).

Die westliche Luftfahrtbranche atmete kollektiv auf, als US-Präsident Donald Trump im Juni eine Absichtserklärung für einen Waffenstillstand mit Teheran erzielte. Die Straße von Hormus würde wieder geöffnet werden, sodass Hunderte mit Treibstoff beladene und festliegende Schiffe Kurs auf Europa und Asien nehmen könnten – jene Regionen, in denen der Großteil des Öls aus dem Persischen Golf verbraucht wird.

Jetzt aber kommt es ganz anders: Es drohten massenhafte Flugausfälle während der geschäftigen Sommerferienzeit. Zwar versicherten die Airlines ihren Kunden noch vor wenigen Tagen, dass sie ihre Flüge bedenkenlos buchen könnten. Aber es baut sich ein Versorgungsengpass auf, von dem Europa und das Vereinigte Königreich konfrontiert sind. Er erweist sich gravierender als zunächst befürchtet.  Laut Reuters reichen die Kerosinvorräte in Europa nur noch für einen Monat, und das Analysehaus Energy Aspects prognostiziert für das dritte Quartal ein Versorgungsdefizit von 600.000 Barrel (95.392.400 Liter Kerosin) pro Tag.

Die Lage in Europa und Großbritannien ist besonders kritisch, da dortige Raffinerien für Flugkraftstoff in den letzten Jahren stillgelegt wurden, was zu einer starken Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Nahen Osten führte. Bislang konnte die Versorgung durch neue Importe aus Kanada, Indien, Nigeria und den Vereinigten Staaten stabil gehalten werden.

Derzeit haben diese Warnungen noch nicht zu Flugausfällen geführt. Zunächst waren die Fluggesellschaften angesichts der Schließung der Straße von Hormus alarmiert, doch diese Panik legte sich rasch, als die Versorgung über andere Länder sichergestellt wurde. Das Ende der Sommersaison stellt jedoch ein Problem dar, da die Fluggesellschaften ihre Flugpläne eigentlich ausweiten müssten, um der saisonalen Nachfrage gerecht zu werden. Das größte Risiko bleiben die hohen Kerosinkosten; es ist davon auszugehen, dass die Flugpreise noch geraume Zeit auf einem hohen Niveau bleiben werden oder sogar noch weiter steigen. Quelle: Reuter / CM

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