Steuern wurden gesenkt, Restaurantbesuche aber wurden oft sogar noch teurer

Von der zu Beginn des Jahres gesenkten Mehrwertsteuer auf Restaurantspeisen merken Gäste einer neuen Untersuchung zufolge kaum etwas. „Die Studie liefert keine Hinweise darauf, dass die Mehrwertsteuersenkung in nennenswertem Umfang an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde“, sagt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Im Gegenteil: Im Durchschnitt erhöhten sich die Preise sogar um 0,5 %. 

Die Gastronomiebranche litt in den vergangenen Jahren stark unter den Folgen der Pandemie und veränderten Konsumgewohnheiten. Anders als vielfach zugesagt dient die Steuersenkung nicht der Senkung der inzwischen exorbitant teuren Restaurantbesuche; sondern sie dient den Gastronomen primär dazu, dringend notwendige Rücklagen zu bilden und Investitionen zu tätigen, die zuvor aufgeschoben wurden. 

Das Beratungsunternehmen wmp consult hatte im Auftrag der NGG die Preise von 180.000 Gerichten in bundesweit mehr als 12.000 Restaurants ausgewertet. Die Erhebung erfolgte demnach im Oktober 2025 – also vor der Absenkung – sowie im Februar und im März dieses Jahres.

Die Geschäftsführerin des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands (Dehoga), Jana Schimke, hielt jedoch dagegen, dass drei Viertel (73,4 %) der Betriebe ihre Preise durch die Absenkung der Mehrwertsteuer trotz massiv gestiegener Kosten stabil halten konnten.

Die Steuer war zum Jahreswechsel von 19 auf 7 % gesenkt worden. Die schwarzrote Bundesregierung hatte die Steuererleichterung mit dem Ziel auf den Weg gebracht, die krisengebeutelte Gastronomiebranche strukturell zu stärken. Eine direkte, flächendeckende Entlastung für die Geldbörsen der Gäste stand dabei wirtschaftspolitisch im Hintergrund, da den gastronomischen Betrieben der Verbleib der Marge zugestanden werden sollte, um Insolvenzen zu verhindern. 

Preise blieben i.d.R. sehr hoch. Bei neun von zehn untersuchten Gerichten blieben die Preise demnach unverändert. Bei 8 % seien die Preise sogar angestiegen und nur bei 1 % gesunken. Eine größer angelegte Auswertung von Gerichten durch den Datenspezialisten Meoton hatte bereits im März ergeben, dass Vergünstigungen nur in sehr geringem Umfang festgestellt werden konnten.

„Die Bundesregierung wollte mit der Mehrwertsteuersenkung auch die Gäste entlasten“, teilte der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler mit. „Tatsächlich ist davon nichts bei den Verbrauchern angekommen.“ Die Verbraucherorganisation Foodwatch findet drastischere Worte: Gastro-Betriebe und Fastfood-Konzerne wie McDonald’s bekämen Steuergeschenke – während Verbraucher unter hohen Preisen ächzen würden. „Anders als versprochen wird die Steuersenkung eben nicht an die Verbraucher weitergegeben“, sagte Pressesprecher Andreas Winkler.

Trotz Senkung der MwSt. von 19 auf 7 % haben sogar nahezu alle gastronomischen Betriebe ihre Preise nicht gesenkt, sondern vielfach sogar angehoben. Foto X

Dehoga-Geschäftsführerin Schimke: „.Viele Gastronomen hatten bereits vor der Mehrwertsteuersenkung angekündigt, diese vor allem dazu zu nutzen, die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Kosten für die Betriebe auszugleichen. „Jeder Betrieb reagierte unterschiedlich auf die Gesetzesänderung. Manche haben Preissenkungen vornehmen können, andere haben die Löhne angehoben, wieder andere haben neue Mitarbeiter eingestellt, modernisiert und ihr Angebot weiter verbessert“, erklärte 

Angelika Inselkammer, Präsidentin des Dehoga Bayern, weist die Darstellung der NGG als verkürzt zurück. „Die Mehrwertsteuersenkung ist ausdrücklich kein staatliches Preissenkungsprogramm“, erklärt  Inselkammer. „Sie soll die Gastronomie wirtschaftlich stärken und die Benachteiligung gegenüber Lieferdiensten und dem Außer-Haus-Geschäft beenden. Genau das leistet sie: Die 7 %  sichern Betriebe, stabilisieren Preise und erhalten Arbeitsplätze. 

Eine Umfrage bei fast 700 gastgewerblichen Betrieben in Bayern zeige ein „klares Bild“: Über 90 % bewerten die Regelung als existenzsichernd oder sehr wichtig. 74,9 %  konnten dadurch ihre Preise stabil halten, 78,3 %  gestiegene Personal- und Lohnkosten auffangen und 52,9  %  bestehende Arbeitsplätze sichern. Ohne die Entlastung wären deutlich stärkere Preissteigerungen unvermeidbar gewesen, behauptet die Dehoga Bayern.  Dass auch die Gäste von der Steuersenkung profitieren sollten, davon war nie die Rede, heißt es beim Dehoga. 

Viele Beschäftigte an der Belastungsgrenze. Zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die rund 2 Millionen Beschäftigten der Branche wurden die Einsparungen aus NGG-Sicht nicht genutzt. Eine Befragung von Mitarbeitenden ergab der Gewerkschaft zufolge, dass viele von ihnen stark überlastet seien. „Drei Viertel der Beschäftigten können sich nach langen Arbeitstagen nicht ausreichend erholen. 79 % berichten von kurzfristigen Dienstplanänderungen, die die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Privatleben erschweren“, teilte die NGG mit. Befragt worden waren zwischen Juni und Juli 2026 mehr als 2.100 Beschäftigte aus Hotellerie sowie System- und Betriebsgastronomie. 

Unternehmen sind gesetzlich nicht verpflichtet, veränderte Steuersätze eins zu eins an Endverbraucher weiterzugeben. Wie Datenerhebungen (z. B. des Datenspezialisten Meoton) zeigen, sank der Preisindex für Speisen nach der Umstellung nur minimal (beispielsweise auf 99,6 von zuvor 100 Punkten. Quelle: NGG / Dehoga / foodservice / CM

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